Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt kommt in der wohl schwierigsten Phase seiner politischen Karriere als Ehrengast zum Schaffermahl

Der Hochseiltänzer

Allein, um beliebt zu sein, ist Alexander Dobrindt kein Politiker geworden. „Wer beliebt sein will, soll Schlagersänger werden“, hat der Bundesverkehrsminister mal gesagt.
05.02.2017, 00:00
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Der Hochseiltänzer
Von Nico Schnurr

Allein, um beliebt zu sein, ist Alexander Dobrindt kein Politiker geworden. „Wer beliebt sein will, soll Schlagersänger werden“, hat der Bundesverkehrsminister mal gesagt. Der Job als Politiker tauge nur selten dazu, besonders populär zu sein, glaubt Dobrindt. Ihn stört es nicht, dass er in den Listen der beliebtesten Politiker des Landes regelmäßig weit unten rangiert oder gar nicht erst auftaucht – im Gegenteil. Der CSU-Politiker gefällt sich in der Rolle des Außenseiters und unbequemen Entscheiders, der sich die Zustimmung erst arbeiten muss. Er will es sich nicht einfach machen. Politik, das ist für Dobrindt nicht die Suche nach der leichtesten Lösung, dem schnellsten Kompromiss. „Politik ist Adrenalin“, sagt Drobindt. Er versteht Politik als Wagnis, als Spiel mit Unsicherheiten.

„Applaus gibt’s nur, wenn man bereit ist, aufs Hochseil zu gehen, nicht wenn man auf einen Stuhl steigt“, erklärte Dobrindt unlängst. Der Balanceakt hoch oben auf dem Seil, die ständige Gefahr des tiefen Falls, ist für ihn zu einem Dauerzustand geworden. Spätestens seit Beginn des Jahres dürfte Dobrindts Selbstverständnis als politischer Seiltänzer nun auch mit ausreichend Leben gefüllt sein.

Seitdem ist klar, dass der Widerstand gegen die Pkw-Maut in vielen EU-Staaten weiter wächst. Mit einer Version 2.0 versucht er, das Prestigevorhaben seiner CSU mit Brüssels Segen aus der Sackgasse zu bekommen. Viel Zeit bleibt ihm dabei nicht mehr, will er die „Infrastrukturabgabe“ noch vor der Bundestagswahl so unumkehrbar wie möglich machen.

Dabei ist die Pkw-Maut längst untrennbar mit ihm, dem „Maut-Minister“, verbunden. Scheitert sie, scheitert er. Und mit jeder weiteren Etappe des schier endlosen Projekts wird das Hochseil, über das sich Dobrindt zu manövrieren versucht, dünner. Inzwischen, so scheint es, gleicht es bloß noch einem seidenen Faden.

Gesprächsstoff also dürfte Dobrindt genug haben, wenn er am 10. Februar nach Bremen kommt, um eine Rede zu halten, eine besondere wohlgemerkt. Er ist als Ehrengast zum diesjährigen Schaffermahl geladen. „Gerade Bremen, als Hafen- und Logistikstandort, blickt gespannt auf die breit gefächerte Agenda des Bundesverkehrsministeriums“, betonen Heiner Dettmer, Verwaltender Vorsteher der Stiftung Haus Seefahrt, und der zweite Schaffer André Wedemeyer.

Markige Reden halten kann Dobrindt, wenn es von ihm verlangt wird. Ein Relikt aus einer Zeit, in der das Hochseil, auf dem er tänzelte, noch nicht ganz so hoch hing. In knapp vier Jahren als CSU-Generalsekretär befolgte er die Gesetze des Genres, nämlich immer genau dann auf Krawall gebürstet zu sein, wenn Fernsehkameras in der Nähe sind, so gut er konnte. Er gab den angriffslustigen Zuspitzer und teilte munter aus. Das brachte ihm das Image des Polit-Rambos ein.

Inzwischen müht sich Dobrindt, durch möglichst unauffälliges Auftreten aufzufallen. Den Willen, zu überzeugen, hat er bewahrt. „Jedes Mal, wenn ich im Bierzelt stehe und mit meinen Ideen begeistern kann, ist das wie ein Führungstreffer“, sagt Dobrindt. Ein bayrisches Bierzelt wartet in Bremen zwar nicht auf ihn, den weitaus festlicheren Rahmen des Schaffermahls wird er trotzdem nutzen wollen – als Bühne vor der Bundestagswahl.

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