Johann Saathoff über Industriepolitik

Der Klimaschutz ist eine Chance

Gerade in Norddeutschland ist die Energiewende ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. Doch da ist noch mehr drin, gerade im Spezialschiffbau und im Automobilsektor, meint unser Gastautor Johann Saathoff.
02.01.2019, 22:09
Lesedauer: 2 Min
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Von Johann Saathoff
Der Klimaschutz ist eine Chance

Johann Saathoff

Marco Urban

Im Dezember sind im polnischen Katowice zum wiederholten Male Vertreter von 200 Staaten beinahe zwei Wochen lang zusammengekommen, um über die Umsetzung des in 2015 beschlossenen Pariser Klimavertrages zu beraten. Diese Umsetzung wird auch in Deutschland nicht ohne weitreichende Transformationsprozesse erfolgen können.

Auch wenn wir in Deutschland noch einigermaßen weit davon entfernt sind, unsere im Pariser Klimavertrag vereinbarten Ziele zu erreichen, sollten wir die bisherigen Erfolge der Energiewende aber nicht kleinreden, sondern darauf aufbauen.

Gerade in Norddeutschland ist die Energiewende ein erheblicher Wirtschaftsfaktor. In den erneuerbaren Industrien sind in den vergangenen Jahren tausende Arbeitsplätze entstanden. In den ländlichen Regionen Norddeutschlands wird sehr viel grüner Strom produziert, was gleichzeitig auch viel Wertschöpfung und damit auch zusätzliche Steuereinnahmen bedeutet. So kann Klimaschutz zum industriepolitischen und volkswirtschaftlichen Erfolgsmodell werden.

Das lässt sich auf die unterschiedlichen norddeutschen Industrien übertragen. Auch wenn die Offshore-Windkraft schon einen Konsolidierungsprozess durchlaufen hat und die Windkraft an Land gerade einen solchen durchläuft, steht der Bau von Windkraftanlagen für viele Arbeitsplätze in norddeutschen Regionen, in denen traditionelle Industrien wie etwa der Schiffbau längst nicht mehr den Stellenwert der vergangenen Dekaden haben.

Niedersachsen und Bremen stehen heute für einen robusten Spezialschiffbau mit unterschiedlichen Facetten. Auch sie werden in Zukunft einen größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten und deutlich mehr Schiffe mit umweltfreundlicheren Antrieben ausstatten. Die Chance der Innovation muss genutzt werden. In der maritimen Wirtschaft geht es darum, alternative Antriebe in die Märkte zu integrieren. Der Bund wird ihnen dabei weiterhin zur Seite stehen, denn schließlich steht Deutschland bei der Zielerfüllung der Klimavereinbarungen in der Pflicht.

Jetzt wird es aber auch um eine Verkehrswende gehen. Die deutschen Automobilhersteller müssen nach den jüngst beschlossenen Kohlendioxid-Flottengrenzwerten für die 2020er Jahre ihre ganze Kraft in die Transformation hin zu emissionsarmen Antrieben stecken.

Als Sozialdemokrat ist dabei für mich aber auch klar, dass wir den Klimaschutz nicht an den Menschen vorbei organisieren dürfen. Der Wandel muss sozialverträglich organisiert werden.

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Zur Person

Unser Gastautor

wurde 2013 zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag gewählt. Der gebürtige Emder ist Energieexperte und Vorsitzender der SPD-Landesgruppe Niedersachsen/Bremen.

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