Irak

Deutsche Kuratorin in Bagdad entführt

Erst vor zwei Wochen haben bewaffnete Männer in Bagdad einen Historiker getötet. Nun wird eine deutsche Kulturvermittlerin entführt. Mit einem Institut hatte sie junge irakische Künstler fördern wollen.
21.07.2020, 09:49
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Unbekannte haben in der irakischen Hauptstadt Bagdad die deutsche Kuratorin und Kulturvermittlerin Hella Mewis entführt. Sicherheitskräfte suchten nach der Frau, sagte ein Sprecher des irakischen Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir wissen nicht, wer sie entführt hat“, sagte ihre Freundin, die Aktivistin Sirka Sarsam von der Nichtregierungsorganisation Burj Babel. Derzeit würden Aufzeichnungen von Überwachungskameras untersucht.

Bewaffnete Männer hatten Mewis laut Aktivisten am Montagabend gegen 20 Uhr (Ortszeit) im zentral gelegenen Stadtteil Abu Nawas in ihre Gewalt gebracht. Das schrieb Ali al-Bajati, Mitglied der vom Parlament gewählten Menschenrechtskommission, bei Twitter. In Abu Nawas liegt das Kulturinstitut Bait Tarkib, an dessen Aufbau Mewis arbeitete. In der Gegend unweit des Flusses Tigris liegen auch verschiedene Regierungsgebäude.

Mewis wurde in Berlin geboren und lebt seit mehreren Jahren in Bagdad. Bait Tarkib - zu übersetzen etwa als „Haus der Installation“ - wurde 2015 gegründet und will die Arbeit junger irakischer Künstler fördern. Zeitweise war Mewis auch für das Goethe-Institut tätig.

„Hellas Entführung ist ein menschliches Desaster“, sagte Sarsam. „Ich habe vor einer Woche mit ihr telefoniert.“ Mewis habe gute Beziehungen zu Künstlern, Intellektuellen und Demonstranten im Irak und habe dort seit 2010 zu vielen Veranstaltungen beigetragen. Die Deutsche sei „empört“ gewesen über die Tötung des international anerkannten Historikers und Terrorismusexperten Hischam al-Haschimi vor zwei Wochen.

Al-Haschimi war in der Nähe seiner Wohnung erschossen worden. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Er galt als einer der besten Kenner extremistischer Gruppen im Irak. In den irakischen Medien richtete sich der Verdacht vor allem gegen die Iran-treue schiitische Miliz Kataib Hisbollah und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Ein Bekenntnis zur Entführung gab es zunächst nicht. (dpa)

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