Kommentar über den US-Botschafter

Die Axt im Walde

Richard Grenell übertritt wiederholt rote Linien. Warum eine Ausweisung des Diplomaten dennoch überzogen wäre, kommentiert Sebastian Krüger.
19.03.2019, 20:49
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Die Axt im Walde
Von Sebastian Krüger
Die Axt im Walde

Der US-Botschafter sorgte in Berlin bereits mehrfach mit Entgleisungen für Diskussion.

Salvatore Di Nolfi /dpa

Noch kein Jahr ist Richard Grenell im Amt, und doch hat der US-Botschafter in Berlin bereits mehrfach mit Entgleisungen für Diskussion gesorgt. Für gewöhnlich mischen Diplomaten sich nicht in die Innenpolitik des Empfangsstaates ein – nicht so Grenell. Seine Fehltritte sind erwartbar, schließlich ist er Botschafter von Donald Trump, der wie kaum ein anderer Staatschef für gezielte Tabubrüche steht. Dass sein Stellvertreter in Deutschland aus dem gleichen Holz geschnitzt ist, überrascht nicht.

Grenell ist ein Wutbürger mit Diplomatenstatus. Gegen seine Provokationen helfen jedoch weder vorschnelle Reaktionen noch aggressive Rhetorik, sondern Besonnenheit. Eine Ausweisung, wie Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) sie fordert, wäre vollkommen überzogen. Die beste Antwort auf Grenells Ausfälle ist es, ihn zum Gespräch einzubestellen. Der streitbare Botschafter teilt gerne aus, hat aber den Ruf, nicht gut einstecken zu können.

Eine Ausweisung Grenells würde das Problem nicht lösen: Er könnte sich zum Opfer stilisieren, und ein Nachfolger nähme seinen Platz ein. Bessere Manieren wären in diesem Fall nicht zu erwarten. Bis Grenell den Bogen endgültig überspannt, sollten sich deutsche Politiker in demonstrativer Gelassenheit üben.

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