Kommentar über die CDU

Die CDU braucht einen Neuanfang

Die CDU soll sich ruhig ein Beispiel nehmen an den Grünen und der Lässigkeit ihres frischen Spitzenduos, findet Chefredakteur Moritz Döbler.
29.10.2018, 20:28
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Die CDU braucht einen Neuanfang
Von Moritz Döbler
Die CDU braucht einen Neuanfang

Angela Merkel verzichtete auf den CDU-Vorsitz.

Kay Nietfeld/dpa

Angela Merkel hat wohl die allerletzte Chance ergriffen, einigermaßen selbstbestimmt und würdevoll das Ende ihrer Kanzlerschaft einzuleiten. Mit dem Verzicht auf den CDU-Vorsitz teilt sie die Macht, die sie zum Ende der Legislaturperiode ganz abgeben will. Ihre Ära, so viel ist heute klar, war nicht die schlechteste Zeit für Nachkriegsdeutschland; gemessen an objektiven Indikatoren eher die beste.

Aber sie hinterlässt ein verstörtes, zerrissenes Volk, das mit der Globalisierung und der Digitalisierung hadert und sich nach einfachen Antworten sehnt. Es ist ebenso folgerichtig wie bizarr, dass ausgerechnet der Simplifizierer, der von Steuerreformen auf Bierdeckeln träumte, wieder etwas zu sagen haben will. Friedrich Merz, der Untote der CDU mit konservativen Attitüden von gestern, soll die Lösung sein?

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Mag sein, dass Teile der Partei die alten Zeiten verklären, als Alphamänner Kanzler wurden, aber dem Land täte eine Rückkehr der Zombies nicht gut. Sollen jetzt auch Roland Koch und Christian Wulff wieder auferstehen, soll etwa auch Edmund Stoiber nicht mehr nur Strippen ziehen, sondern zurück ins Licht? Wenn sich die SPD daran ein Beispiel nimmt, ist bald Rudolf Scharping wieder da.

Nein, die CDU braucht einen Neuanfang, den die von Merkel protegierte Annegret Kramp-Karrenbauer vielleicht zu wenig verkörpert. Dann sollen doch endlich die jungen Wilden kommen und Verantwortung übernehmen. Jens Spahn, zum Beispiel. Er glaubt von sich, dass er Kanzler kann, aber das muss man nicht nur sein, sondern werden. In den Ländern gibt es einige Männer und Frauen, die an Zäunen rütteln könnten. Die CDU soll sich ruhig ein Beispiel nehmen an den Grünen und der Lässigkeit ihres frischen Spitzenduos Annalena Baerbock und Robert Habeck.

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Ausgerechnet Horst Seehofer, der die Groko planmäßig hintertrieben und sabotiert hat, obwohl er doch selbst ein Ministeramt in ihr bekleidet, bleibt vorerst in Amt und Würden. Er verkörpert die Rache der Abgemeierten und Untergegangenen an Angela Merkel, doch die Geschichtsbücher werden darüber hinweggehen. Er ist nur eine Fußnote in dem langen Kapitel über die erste Bundeskanzlerin. Wenn es endet, könnte die SPD ihre Chance haben.

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