Die CDU-Geheimwaffe in NRW

Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz soll offenbar wieder ein Amt in der CDU-Bundespartei übernehmen. Das hat vor allem in der nordrhein-westfälischen CDU eine sehr positive Resonanz ausgelöst.
16.10.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Johannes Nitschmann
Die CDU-Geheimwaffe in NRW

Im Zentrum wilder Spekulationen: der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz.

Bernd Thissen, picture alliance / dpa

Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz soll offenbar wieder ein Amt in der CDU-Bundespartei übernehmen. Das hat vor allem in der nordrhein-westfälischen CDU eine sehr positive Resonanz ausgelöst. Schon gibt es Spekulationen, er könnte SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft im nächsten Landtagswahlkampf herausfordern.

Die mutmaßliche Rückkehr des einstigen CDU-Hoffnungsträgers Friedrich Merz in die aktive Politik beflügelt offenkundig die Fantasie seiner Parteifreunde in Nordrhein-Westfalen. Obwohl maßgebliche CDU-Granden immer noch bezweifeln, dass der vermögende Wirtschaftsanwalt aus dem Sauerland ein „wirkliches Polit-Comeback“ anstrebt, werden unter den nordrhein-westfälischen Christdemokraten „Frühlingsgefühle“ geweckt. Die Aufwallungen um den 58-jährigen CDU-Wirtschaftsexperten gipfeln hinter vorgehaltener Hand in der kühnen Spekulation, Merz könnte für seine Partei als Spitzenkandidat im nächsten NRW-Landtagswahlkampf 2017 gegen eine schwächelnde Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) die Macht im bevölkerungsreichsten Bundesland erobern.

Bisher schweigt Merz zu allen Szenarien und Planspielen, die ihm in diesen Tagen angedichtet werden. Nach langer Zeit hatte der drahtige 1,92-Meter-Mann am Montagnachmittag erstmals wieder die CDU-Parteizentrale im Berliner Konrad-Adenauer-Haus betreten, als sich dort die CDU-Programmkommission „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ konstituierte. Merz hat sich in diese 40-köpfige Expertenkommission berufen lassen und gleich das Eröffnungsreferat gehalten. Es ging um „Digitalisierte Wirtschaft und Gesellschaft – neue Herausforderungen für den Zusammenhalt in unserem Land“.

Trotz des eher drögen Themas sind viele Parteifreunde über den Rückkehrer entzückt, der sich 2009 frustriert aus der Politik zurückgezogen hatte, weil er sich von der CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel gemobbt fühlte. Besonders euphorisch zeigt sich der Chef der Ruhrgebiets-CDU, Oliver Wittke, über die Anstalten von Merz, künftig wieder aktiv in der Politik mitzumischen: „Das ist klasse. Davon brauchen wir mehr.“ Auch der CDU-Linksausleger Karl-Josef Laumann singt das Hohelied auf einen der „profiliertesten Köpfe“ in der Union. „Ich finde das einfach gut.“ Er glaube, dass die Kompetenz von Merz der CDU in ganz Deutschland „gut tun“ werde, erklärte Laumann und ergänzte süffisant, „auch in Nordrhein-Westfalen“.

In der NRW-CDU hat Armin Laschet als amtierender Landesvorsitzender und Oppositionsführer derzeit die ungeteilte Macht. Der 53-Jährige gilt bisher als künftiger Herausforderer von Regierungschefin Kraft. Innerparteiliche Konkurrenten musste der joviale Aachener in der personell ausgezehrten Landes-CDU bisher nicht wirklich fürchten. Dennoch sind sein Führungsstil und seine Oppositionspolitik innerparteilich keineswegs unumstritten. Die Merz-Anhänger Wittke und Laumann gelten jedenfalls nicht gerade als große Freunde des CDU-Landeschefs. Laschet wiederum rühmt sich als Vorsitzender der CDU-Programmkommission, den querköpfigen Sauerländer überhaupt erst wieder in die Politik zurückgeholt zu haben. Er schätze seinen Duzfreund Friedrich „in Wirtschaftsfragen sehr“.

Doch Gefolgsleute von Merz mögen dies so nicht stehen lassen. Auch wenn sich Laschet den Comeback-Coup öffentlich zurechne, gehe die treibende Kraft von dem Sauerländer selbst aus, künftig wieder eine aktive Rolle in der CDU zu spielen, versichert ein Merz-Intimus. Längst bereits habe er seinen sanften Rückzug aus der renommierten Düsseldorfer Wirtschaftskanzlei Mayer Brown eingeleitet und sich ein zweites Büro im heimischen Arnsberg zugelegt. Merz sei eben „ein Homo Politicus“, der sich keineswegs mit der ihm vom Laschet zugeschriebenen Beraterrolle als Wirtschaftsexperte bescheiden, sondern seine politische Zukunft selbst bestimmen wolle, ist sich ein Insider sicher.

Doch wohin führt ihn diese Zukunft? Dass er bald schon wieder in der Bundeshauptstadt Berlin Politik macht, wird von seinen Anhängern eher bezweifelt. „Solange Mutti Merkel dort das Sagen hat, ist da für ihren verlorenen Sohn vermintes Gelände“, urteilt einer seiner Getreuen drastisch. Bliebe die Landespolitik. Schließlich habe seinerzeit der in der Bundes-CDU kaltgestellte Kurt Biedenkopf als sächsischer Ministerpräsident ein strahlendes Comeback gefeiert und sei in der Folge auch wieder in der Bundespolitik mittenmang gewesen.

Aber wie prickelnd ist das landespolitische Klein-Klein im Düsseldorfer Landtag für einen prominenten und hoch dotierten Wirtschaftsanwalt? In den letzten Jahren hatte Merz filigran die Fäden im großen Polit-Lobbyismus gezogen – für Tagessätze von angeblich bis zu 10 000 Euro. Zudem verweist der einstige Erfinder der Bierdeckel-Steuererklärung als Chef der deutsch-amerikanischen Atlantik-Brücke gerne auf sein internationales Netz. Dagegen wäre Düsseldorf ein Abstieg in die Provinz. Beobachter halten ein landespolitisches Engagement von Merz gegenwärtig jedenfalls für wenig wahrscheinlich.

Doch solange sich Merz über Triebfeder und Ziele für seine neue parteipolitische Betätigung in Schweigen hüllt, haben Gerüchte über seine politischen Ambitionen weiterhin Konjunktur. Führende CDU-Leute sehen in Merz vor allem eine Geheimwaffe gegen die aufkommende AfD. Deshalb brauche seine Partei „Leute mit Wirtschaftskompetenz“, sagt der Chef der nordrhein-westfälischen CDU-Mittelstandvereinigung, Hendrik Wüst. „Das kann kaum einer besser als Friedrich Merz.

Johannes Nitschmann

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Friedrich Merz

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