Katholische Kirche

„Wir werden vor der Frage stehen, Kirchen abzureißen“

Die Bischofskonferenz muss sich mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für die Kirche beschäftigen. Im Interview erklärt der Vorsitzende Bischof Bätzing, dass der Abriss von Kirchen ein Thema sein könnte.
23.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Benjamin Lassiwe

Bischof Bätzing, die September-Steuerschätzung hat drastische Einbußen bei der Einkommens- und Gewerbesteuer ergeben. Was heißt das für die Kirche, deren Einnahmen aus der Kirchensteuer ja auch vom Einkommensteueraufkommen abhängen?

Bischof Bätzing: Wir rechnen in der Tat auch mit Einbrüchen in der Kirchensteuer. Allerdings werden sie in den Diözesen sehr unterschiedlich ausfallen. Für etliche Bistümer werden die Steuereinbrüche jetzt und im kommenden Jahr sehr bedeutsam sein.

Haben Sie ein Beispiel?

Sicher kann ich die Zahlen nur für mein eigenes Bistum nennen, das Bistum Limburg: Hier rechnen wir mit einem Minus von drei Prozent. In unseren Nachbarbistümern sind die Werte erheblich schlechter und liegen im oberen einstelligen Bereich. Da stehen für uns alle Entscheidungen an.

Was heißt das ?

Wir müssen genau schauen: Wofür geben wir das Geld, das zur Verfügung steht, aus? Wie viele Immobilien können wir uns noch leisten, was ist pastoral sinnvoll? Da müssen die Träger, also Pfarreien und Kirchengemeinden, schwerwiegende Entscheidungen treffen.

Das betrifft vor allem Gemeindehäuser...

… und Kirchen.

Wer soll denn eine Kirche kaufen?

In Frankfurt ist zum Beispiel eine Kita in einem Kirchengebäude eingezogen. Oft reden wir ja von Bauten, die in den 60er-Jahren entstanden sind. Da lässt sich manches machen. Aber wir werden auch vor der Frage stehen, ob es nicht besser ist, Kirchen abzureißen und das Grundstück neu zu verwenden.

Wie ist im Moment die Stimmung in der Deutschen Bischofskonferenz? Nach außen hat man den Eindruck, drei oder vier Bischöfe stehen da im Konflikt gegen alle Anderen...

Wir haben sehr profilierte Persönlichkeiten in der Bischofskonferenz, für die ich sehr dankbar bin. Das sind Bischöfe, die aus ihrem persönlichen theologischen Standpunkt heraus ihre Position einbringen. Das führt zu Diskussionen untereinander, und die können uns ja nur befruchten und sind wichtig. Und ich finde, dass das überhaupt nicht schlimm ist – denn nur unterschiedliche Positionen können uns ja weiterbringen.

Obwohl manche Brüder gern Briefe nach Rom schicken...

Darüber kann man sich ärgern, man muss es aber nicht.

Kardinal Woelki warnt gar vor dem Entstehen einer deutschen Nationalkirche. Was halten Sie davon?

Die katholische Kirche ist Universalkirche, die wiederum aus Teilkirchen besteht. Die Kirche in Deutschland ist Teil der Universalkirche, und daran wird sich nichts ändern.

Ein Thema, dass die Bischofskonferenz bewegt, ist die Suche nach der Leitung ihres Sekretariats, dem Sekretär oder der Sekretärin.

Ich habe bei der Vollversammlung in Mainz um die Bildung einer Findungskommission gebeten. Denn der gegenwärtige Sekretär wurde vor mehr als 20 Jahren in sein Amt gewählt. Heute leben wir in anderen Zeiten. Uns allen ist klar: Diese Stelle des Sekretärs oder der Sekretärin ist eine der wichtigsten Personalentscheidungen der Kirche in Deutschland für die nächsten Jahre.

Hätten Sie auf dem Posten gerne eine Frau?

Wenn es möglich ist, wenn dieselbe Qualifikation da ist, wollen wir eine Frau.

Das Gespräch führte Benjamin Lassiwe.

Info

Zur Person

Georg Bätzing (59)

ist Bischof von Limburg und seit März der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Zuletzt distanzierte sich von Kardinal Woelkis Warnungen vor einer deutschen Nationalkirche.

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