Kommentar über Gebäudesanierung Die Sanierung von Gebäuden birgt ein riesiges Potenzial

Michael Kessler, Geschäftsführer von Energieheld, erklärt wie wir der größten Herausforderung unserer Zeit gerecht werden können.
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Die zeitnahe Reduktion des weltweiten CO₂-Ausstoßes ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Kaum ein Wissenschaftler zweifelt daran – die meisten Deutschen würden dies unterschreiben. Stellt sich also die Frage: Warum werden laufend neue Klimaziele gesteckt, wenn diese dann doch nicht eingehalten werden? Die Unehrlichkeit in der Debatte betrifft die deutschen Politiker, aber auch jeden Einzelnen: Politiker unterschreiben gerne verbindliche Abkommen – stehen aber aufgrund einer in Deutschland starken Industrievertretung anscheinend so stark unter Druck, dass etwas für das Klima gemacht wird, wenn dabei niemandem auf die Füße getreten wird. Sind also Maßnahmen notwendig, die Arbeitsplätze in Gefahr bringen oder Gewinne bestehender Industrien verringern, passiert am Ende des Tages sehr wenig.

Maßnahmen werden selten ergriffen

Spannend bei der Diskussion ist allerdings, dass viele Bürger mit dem Finger auf Politiker und abtrünnige Länder zeigen, die sich den Zielen diverser Abkommen nicht verschreiben – selbst aber selten Maßnahmen ergreifen, um den persönlichen CO₂-Ausstoß zu minimieren. Sobald Einschränkungen im Bereich des privaten Konsums verlangt werden, ist sich jeder selbst der Nächste. Klimaschutz verblasst zu einer Idee, die wir mal hatten und die gut war, solange sie nicht unbequem wurde: Flugreise nach Bali? Das gönnen wir uns jetzt mal. Das Familien-Auto mit 180 PS? Ist ja ein sparsamer Diesel – da sind ein paar PS mehr drin. Den eigenen Fleischkonsum reduzieren? Mir schmeckt die Wurst, das lass ich mir nicht schlechtreden.

Die Unehrlichkeit finden wir also bei Politikern und Bürgern gleichermaßen. Da der Bürger anscheinend nicht auf Konsum und Komfort verzichten möchte, gibt es aus politischer Sicht nur eine Schlussfolgerung, wenn man es mit den Reduktionszielen ernst meint. Erstens: CO₂ verursachenden Konsum erheblich einschränken: Besteuerung von Kerosin, höhere Abgaben auf fossile Brennstoffe, die Abkehr von der intensiven Nutztierhaltung. Zweitens: CO₂-Reduktionspotenziale erkennen, die nicht den Verzicht auf Konsum oder Komfort voraussetzen. Die Gebäudesanierung birgt ein riesiges Potenzial in Deutschland. Die Hürde ist eine Investition des Verbrauchers und die Unklarheit darüber, ob sich Maßnahmen wirtschaftlich lohnen. Hier muss die Politik mit steuerlichen Vorteilen für die energetische Gebäudesanierung die Geschwindigkeit des Prozesses erheblich erhöhen. Auf Konsum und Komfort muss niemand verzichten. Der erste Schritt zur wirksamen Klimapolitik ist die Erkenntnis, in welchen Bereichen eine CO₂-Reduktion relativ wenig Widerstand seitens Bevölkerung und Industrie hervorruft.


Unser Gastautor

ist Geschäftsführer von Energieheld. Das Unternehmen aus Hannover unterstützt Eigenheimbesitzer bei der energetischen Gebäudesanierung und entwickelt zudem Software für Handwerksbetriebe der Baubranche.

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