Rennen ums Rathaus: Twistringer CDU spricht sich für ihren Fraktionschef als Bürgermeisterkandidaten aus

Die schwarze Basis stellt sich hinter Kunst

Die Twistringer Christdemokraten haben ihre K-Frage gelöst. Kunst oder Klingbeil? Über diese beiden Bürgermeisterkandidaten stimmte die schwarze Basis bei ihrer Wahlgebietsversammlung am Freitagabend im Gasthaus Zur Penne ab. Von den 31 abgegebenen gültigen Stimmen entfielen 17 auf Kunst und zwölf auf seine Mitbewerberin. Zwei Christdemokraten enthielten sich. Mit diesem Ergebnis habe Birgit Klingbeil einen „Achtungserfolg“ erzielt, waren sich die CDU-Mitglieder nach der internen Abstimmung einig.
20.01.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock

Die Twistringer Christdemokraten haben ihre K-Frage gelöst. Kunst oder Klingbeil? Über diese beiden Bürgermeisterkandidaten stimmte die schwarze Basis bei ihrer Wahlgebietsversammlung am Freitagabend im Gasthaus Zur Penne ab. Von den 31 abgegebenen gültigen Stimmen entfielen 17 auf Kunst und zwölf auf seine Mitbewerberin. Zwei Christdemokraten enthielten sich. Mit diesem Ergebnis habe Birgit Klingbeil einen „Achtungserfolg“ erzielt, waren sich die CDU-Mitglieder nach der internen Abstimmung einig.

„Ich wähle B.K.“, scherzte Bernhard Kunst vor dem Urnengang. Das taten an diesem Abend wohl alle stimmberechtigten Twistringer CDU-Mitglieder, allerdings entschieden sich am Ende dann doch fünf Christdemokraten mehr für den männlichen B.K. Die weibliche B.K., Birgit Klingbeil, nahm’s dennoch gelassen und präsentierte sich als faire Verliererin. Die 46-Jährige freute sich über ihren „Achtungserfolg“. Dass sie weiterhin als Erste Stadträtin im Twistringer Rathaus arbeiten und keinen zweiten Versuch als unabhängige Einzelbewerberin unternehmen werde, hatte sie dem WESER-KURIER bereits im Vorfeld der Abstimmung mitgeteilt.

Viele CDU-Mitglieder empfanden die Bewerbungsrede der Dame im violetten Blazer an diesem Abend als souveräner, der dreifache Familienvater hielt sich zu lange mit seiner Vita auf, punktete bei der schwarzen Basis aber mit seiner Volkstümlichkeit und langjährigen kommunalpolitischen Erfahrungen. Während die gebürtige Diepholzerin erst seit 16 Jahren an der Delme wohnt, lange beim Landkreis Diepholz tätig war, ist Kunst einer von ihnen, ein waschechter Twistringer Junge. Seine Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit kam an. In Stelle aufgewachsen, seit Jahrzehnten mittlerweile fest in Abbenhausen verwurzelt, sitzt Bernhard Kunst seit 2001 im Twistringer Stadtrat, ist seit 2006 Ortsbürgermeister von Abbenhausen und seit dem Umzug von Volker Meyer in die Nachbarstadt Bassum eben auch Chef der CDU-Fraktion. Ein Kreistagsmandat hat der 56-Jährige „Kommunalpolitiker aus Leib und Seele“ ebenfalls.

Inhaltlich bewegte sich Birgit Klingbeil auf der Linie ihres scheidenden Chefs, Bürgermeister Karl Meyer: „Dass Twistringen zu viele Schulden hat und pleite ist, sehe ich überhaupt nicht so“, sagte sie. Die finanzielle Situation der Delmestadt verglich sie mit dem Bau eines Einfamilienhauses: „Wer bezahlt sein Eigenheim schon in bar? Niemand schafft es doch, sich das alles anzusparen. Schulden, die durch Investitionen in die Zukunft bedingt sind, machen auf Dauer auch zukunftsfähig“, sagte sie. Auf solide Finanzen hingegen setzte Bernhard Kunst, die Stadt könne nun mal nicht alle Investitionen auf Pump, also durch neue Kredite, finanzieren.

Die Ausweisung neuer bezahlbarer Bauplätze, Stärkung des Ehrenamts, und Sicherstellung der ärztlichen Versorgung auf dem Land hatten sich beide Kandidaten auf die Fahnen geschrieben. Im Gegensatz zu Klingbeil gab Kunst jedoch ein eindeutiges Plädoyer für die Ortsräte ab. Er halte nichts davon, diese Gremien abzuschaffen und durch Ortsvorsteher zu ersetzen. Eine Aussage, die im Saal mit Applaus quittiert wurde. Interessant auch seine Position zur Kultur: „Kultur ist nicht nur das klassische Konzert in der Aula, Kultur, das ist auch unser Blasorchester“, meinte er. Als Twistringer Bürgermeister wolle er sich zudem für die flächendeckende Breitbandversorgung sowie die Sanierung des Twistringer Schwimmparks – gemeinsam mit dem Förderverein – einsetzen, versprach Bernhard Kunst.

Peter Dünzelmann (CDU) monierte anschließend, dass keiner der beiden Kandidaten in ihren Vorstellungsreden detailliert auf die Nachnutzung des Twistringer Krankenhauses eingegangen war. Die Ansiedelung einer Kranken- und Altenpflegeschule sei für die Stadt elementar wichtig, betonte er. „Wir haben uns damit abgefunden, dass die Psychiatrie nach Bassum geht. Nicht abgefunden haben wir uns damit, dass die Verwaltung nach Barnstorf gezogen ist. Wenn wir jetzt bei der Pflegeschule auch wieder hinten herunterfallen, wäre das dramatisch für Twistringen“, erklärte er.

Bundestagsabgeordneter Axel Knoerig (CDU), der Freitagabend zu Gast beim Twistringer CDU-Stadtverband war, wertete die interne Abstimmung über den Bürgermeisterkandidaten als „wichtigen Schritt für die CDU Twistringen“. Dass noch nicht einmal die Hälfte ihrer Mitglieder an der Wahl teilgenommen hatte, blendeten die Christdemokraten an diesem Abend aus. Und Bernhard Kunst, der eine Führungsposition bei einer Versicherung in Oldenburg bekleidet, fand, dass er mit seinen 56 Jahren mittlerweile „im besten Politikeralter“ sei.

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