Kommentar über Vorstandsgehälter bei der Bahn Die Selbstbedienungsmentalität muss aufhören

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will sich mit ganzer Kraft gegen die Gehaltserhöhung des Vorstands der Deutschen Bahn einsetzen, betont GDL-Chef Claus Weselsky in seinem Gastkommentar.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Claus Weselsky

Der Vorstand der Deutschen Bahn will sich 15.400 Euro mehr im Monat in die eigene Tasche scheffeln. Sein Gehalt soll von 400.000 auf 585.000 Euro im Jahr steigen. Um eine solche unverschämte Lohnerhöhung durchzukriegen, hat der Vorstand viel Geld an eine Unternehmensberatung gezahlt. Sie sollte herausfinden, dass der Bahnvorstand angeblich arm ist. Dabei ist schon über Jahre hinweg viel Geld in Taschen geflossen, wo es gar nicht hingehört. So haben ehemalige DB-Führungskräfte und externe Berater hinter dem Rücken des Aufsichtsrats Millionen Euro kassiert, für die sie keine oder so gut wie keine Leistungen erbracht haben. Die Selbstbedienungsmentalität muss aufhören.

Unsere Lokomotivführer und Zugbegleiter sollen hingegen ihre tariflichen Rechte bei der Schichtplanung aufgeben und für lau stramm stehen, damit die Züge überhaupt abgefahren werden können. Entschuldigung, nicht ganz für lau. Das Zugpersonal hat dafür, dass es 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr alles gibt, um den Bahnbetrieb noch am Laufen zu halten, einen Standardbrief mit einem Fünf-Euro-Gutschein für die Kantine bekommen. Was für eine Leistung!

Lesen Sie auch

Dabei ist der Zustand der Deutschen Bahn alles andere als gut. Zugausfälle, verprellte Kunden auch im Güterverkehr, Personalmangel, Verspätungen, Überstunden, fehlende Weichen und Gleisanschlüsse. Hinzu kommt die Wut der Reisenden. All das müssen unsere Kollegen nach dem jahrzehntelangen Fahren auf Verschleiß und dem Missmanagement ausbaden. Jetzt werden zwar viele Milliarden zusätzlich in die Bahn investiert. Das bedeutet aber zunächst mehr Baustellen und damit längere Fahrzeiten und noch mehr Verspätungen.

Statt sich weiter selbst zu bedienen, sollte die Deutsche Bahn endlich die Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung für die Lokomotivführer und Zugbegleiter deutlich verbessern. Wir kämpfen dafür, dass das Zugpersonal besser wegkommt. Aktuell sorgen wir erst einmal dafür, dass die Lokomotivführer und Zugbegleiter ihre tariflich verbrieften Rechte nicht an der Garderobe abgeben müssen und die Schutzmechanismen bei der Schichtplanung eingehalten werden. Der Dienstplan des Zugpersonals für das gesamte Jahr 2020 muss stehen. Unsere Kollegen brauchen eine verlässliche Schichtplanung.

Außerdem werden wir uns mit ganzer Kraft gegen diese unverschämte Gehaltserhöhung des Vorstands der Deutschen Bahn einsetzen. Im Aufsichtsrat lehnt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer die Gehaltserhöhung ab.

Lesen Sie auch

Info

Zur Person

Unser Gastautor ist seit elf Jahren Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Der gelernte Lokomotivführer ist auch Mitglied im Aufsichtsrat der DB Cargo AG.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+