Kommentar über Vorstandsgehälter bei der Bahn

Die Selbstbedienungsmentalität muss aufhören

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will sich mit ganzer Kraft gegen die Gehaltserhöhung des Vorstands der Deutschen Bahn einsetzen, betont GDL-Chef Claus Weselsky in seinem Gastkommentar.
07.11.2019, 18:00
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Von Claus Weselsky
Die Selbstbedienungsmentalität muss aufhören

Bei der Deutschen Bahn gibt es im wahrsten Sinne des Wortes viele Baustellen. Dennoch meint der Vorstand, eine satte Gehaltserhöhung verdient zu haben.

Roland Weihrauch /dpa

Der Vorstand der Deutschen Bahn will sich 15.400 Euro mehr im Monat in die eigene Tasche scheffeln. Sein Gehalt soll von 400.000 auf 585.000 Euro im Jahr steigen. Um eine solche unverschämte Lohnerhöhung durchzukriegen, hat der Vorstand viel Geld an eine Unternehmensberatung gezahlt. Sie sollte herausfinden, dass der Bahnvorstand angeblich arm ist. Dabei ist schon über Jahre hinweg viel Geld in Taschen geflossen, wo es gar nicht hingehört. So haben ehemalige DB-Führungskräfte und externe Berater hinter dem Rücken des Aufsichtsrats Millionen Euro kassiert, für die sie keine oder so gut wie keine Leistungen erbracht haben. Die Selbstbedienungsmentalität muss aufhören.

Unsere Lokomotivführer und Zugbegleiter sollen hingegen ihre tariflichen Rechte bei der Schichtplanung aufgeben und für lau stramm stehen, damit die Züge überhaupt abgefahren werden können. Entschuldigung, nicht ganz für lau. Das Zugpersonal hat dafür, dass es 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr alles gibt, um den Bahnbetrieb noch am Laufen zu halten, einen Standardbrief mit einem Fünf-Euro-Gutschein für die Kantine bekommen. Was für eine Leistung!

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Dabei ist der Zustand der Deutschen Bahn alles andere als gut. Zugausfälle, verprellte Kunden auch im Güterverkehr, Personalmangel, Verspätungen, Überstunden, fehlende Weichen und Gleisanschlüsse. Hinzu kommt die Wut der Reisenden. All das müssen unsere Kollegen nach dem jahrzehntelangen Fahren auf Verschleiß und dem Missmanagement ausbaden. Jetzt werden zwar viele Milliarden zusätzlich in die Bahn investiert. Das bedeutet aber zunächst mehr Baustellen und damit längere Fahrzeiten und noch mehr Verspätungen.

Statt sich weiter selbst zu bedienen, sollte die Deutsche Bahn endlich die Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung für die Lokomotivführer und Zugbegleiter deutlich verbessern. Wir kämpfen dafür, dass das Zugpersonal besser wegkommt. Aktuell sorgen wir erst einmal dafür, dass die Lokomotivführer und Zugbegleiter ihre tariflich verbrieften Rechte nicht an der Garderobe abgeben müssen und die Schutzmechanismen bei der Schichtplanung eingehalten werden. Der Dienstplan des Zugpersonals für das gesamte Jahr 2020 muss stehen. Unsere Kollegen brauchen eine verlässliche Schichtplanung.

Außerdem werden wir uns mit ganzer Kraft gegen diese unverschämte Gehaltserhöhung des Vorstands der Deutschen Bahn einsetzen. Im Aufsichtsrat lehnt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer die Gehaltserhöhung ab.

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Zur Person

Unser Gastautor ist seit elf Jahren Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). Der gelernte Lokomotivführer ist auch Mitglied im Aufsichtsrat der DB Cargo AG.

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