Zeuge sagt im NSU-Prozess aus Die Waffen kamen aus der Unterwelt

München. Jens L. ist ein schwerer Junge wie aus dem Bilderbuch: Tätowierung am Hals, kurzgeschorene Haare, unverblümte Sprache.
17.02.2016, 00:00
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Von Wiebke Ramm

Jens L. ist ein schwerer Junge wie aus dem Bilderbuch: Tätowierung am Hals, kurzgeschorene Haare, unverblümte Sprache. Der 49-Jährige hat am Dienstag, dem 260. Verhandlungstag, im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München als Zeuge ausgesagt. Das Gericht verspricht sich von ihm Informationen zu den Waffen, die sich im Besitz der mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt befanden.

Jens L. gehörte zum kriminellen Milieu in Jena. Vor Gericht sagt er: „1992 bis 2000 waren wir eine der führenden Banden im Raum Thüringen.“ Drogenhandel, Waffenhandel, Zuhälterei – es habe nichts gegeben, was sie nicht verkauft hätten. Er sei „keine kleine Nummer“ gewesen, schildert der Zeuge. Er selbst sei bis 1992 rechtsradikal gewesen. Er und seine Leute haben offenbar Waffen an Neonazis, Rocker und andere verkauft. So ganz klar wird das nicht. Der Zeuge springt in seinen Erzählungen hin und her. Was sind Räuberpistolen? Was ist die Wahrheit? Klar wird das nicht.

Damals habe er zu einer Bande gehört, die über mehrere Waffendepots verfügt habe, sagt der Zeuge. Darin: Maschinenpistolen, Handgranaten und Feuerwaffen. „Es wird vielen nicht schmecken, was ich zu sagen habe“, erklärt Jens L. Deswegen weigert er sich, seine Anschrift zu nennen. Er fürchtet die Rache seiner ehemaligen „Bandenmitglieder“.

Jens L. sagt, er sei sich nicht sicher, ob er Mundlos und Böhnhardt gekannt habe. Er glaube, er habe sie mal gesehen. Beate Zschäpe kenne er nicht. Er hatte oder hat eine Affäre mit der Ex-Frau von Böhnhardts Bruder. „Von den Angeklagten kenne ich den in der Mitte“, sagt Jens L. und zeigt auf Ralf Wohlleben. „Und den mit Vollbart, der wie ein Taliban aussieht.“ Er meint Andre E. Woher er Wohlleben und Andre E. kenne, wisse er aber nicht mehr.

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