Gastkommentar über nachhaltige Politik

Die Wende beginnt auf kommunaler Ebene

Alle Menschen sollten zum Nachdenken über einen nachhaltigen Lebensstil ermutigt werden und dann zum Handeln auf globaler und lokaler Ebene, meint unser Gastautor Klaus Jürgen Bönkost.
16.09.2019, 22:10
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Klaus Jürgen Bönkost
Die Wende beginnt auf kommunaler Ebene

Auch Forderungen nach einer Agrar- und Energiewende werden laut.

Binowa GmbH

Offensichtlich leben wir in Wendezeiten. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht Forderungen laut werden nach einer Agrar-, Energie-, Finanz- oder Verkehrswende. Angesichts des schnellen Klimawandels haben die Vereinten Nationen die Agenda 2030 (aus 2015), die EU ihre europäische Nachhaltigkeitsstrategie, die Bundesregierung die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (2016) und einige Landesregierungen ihre Landesnachhaltigkeitsstrategie vorgelegt – etwa die niedersächsische im Mai 2017.

Lesen Sie auch

Der Deutsche Städtetag präsentierte am 28. September 2015 eine Musterresolution: „2030 – Agenda für nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“. Im Juni 2018 veröffentlichte er als Hilfestellung für die Kommunen „SDG-Indikatoren für Kommunen – Indikatoren zur Abbildung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen in deutschen Kommunen“. Im Mai 2017 verweist der Deutsche Städte- und Gemeindebund auf eine Handlungsempfehlung des Verbandes Unitied Cities and Local Governments. Im September 2018 schreibt der deutsche Städte- und Gemeindeverband dann: „Die Umsetzung der Agenda kann nur gemeinsam mit den Kommunen gelingen.“

Richtig! Die Sache ist komplex, und die Interessen sind zahlreich. Alle Menschen sollten zum Nachdenken über einen nachhaltigen Lebensstil und über nachhaltiges Wirtschaften und dann zum Handeln auf globaler und lokaler Ebene ermutigt werden. Wir brauchen eine neue Aufklärung für eine volle Welt, wie es der Club of Rome formulierte.

Lesen Sie auch

Die negativen Umweltentwicklungen wirken sich auf alle aus. Unter anderem auch deshalb geht es alle an. Nicht nur Regierungen, Unternehmen, Parlamente, Verbände und Parteien sind gefordert, sondern auch die Zivilgesellschaft. In der Demokratie müssen alle Bürgerinnen und Bürger die Gelegenheit erhalten, sich mit ihren Ansichten, Expertisen, Interessen und Forderungen in den öffentlichen Diskurs einzubringen.

Seit Oktober 2017 führen in Lilienthal Mitglieder des Club of Lilienthal einen kritischen Diskurs über die Ortsentwicklung. Sie haben bereits mehrere Gemeinderatsdiskussionen initiiert – unter anderem über den Einsatz von Glyphosat, die Versiegelung von CO₂-Senken und die Entwicklung eines kommunalen Nachhaltigkeitsprogramms. Das gefällt vielen, aber nicht allen. Demokratie erschöpft sich aber nicht in Wahlen, sondern bedarf der ständigen Rückkopplung mit den Bürgerinnen und Bürgern – auch außerhalb der Parteien.

Info

Zur Person

Unser Gastautor ist Professor für Business & Economics Education. Zurzeit ist er Lehrbeauftragter der Professional School der Leuphana-Universität in Lüneburg. Zudem moderiert er den Club of Lilienthal.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+