US-Wahl 2020

Trumps Wahlkampfkasse leert sich

Von 1,1 Milliarden US-Dollar sollen schon 800 Millionen ausgegeben sein. Jetzt hat der US-Präsident angekündigt, notfalls selbst Geld für seinen Wahlkampf gegen Joe Biden beizusteuern.
10.09.2020, 05:00
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Trumps Wahlkampfkasse leert sich
Von Thomas Spang
Trumps Wahlkampfkasse leert sich

US-Präsident Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung.

Chris Carlson/dpa

In besseren Tagen spuckte Brad Parscale große Töne. Die Wahlkampfmaschine zur Wiederwahl des Präsidenten sei „ein nicht aufzuhaltender Koloss“, prahlte der ehemalige Wahlkampfmanager Trumps. Während der demokratische Herausforderer Joe Biden zu diesem Zeitpunkt seine liebe Not hatte, die Miete für die Veranstaltungsräume seines Vorwahlkampfs zu bezahlen, hatte der Präsident bereits mehr als eine Milliarde Dollar für seinen Wahlkampf angehäuft.

In seinem Übermut gab Team Trump die Mittel genauso schnell aus, wie es die Spenden eingenommen hatte. Der republikanische Stratege Ed Rollins meint, die Verantwortlichen der Kampagne hätten das Geld „wie trunkene Seeleute“ auf den Kopf gehauen.

Zum Beispiel gab Parscale für zwei Werbespots beim Super Bowl Finale Anfang des Jahres die Rekordsumme von elf Millionen Dollar aus. Die beiden Spots allein kosteten damit mehr, als alle Werbeaktionen und -veranstaltungen bis Juli in den vier wichtigen “Wechselwähler-Staaten” Wisconsin, Michigan, Iowa und Minnesota zusammen.

!Wenn sie 800 Millionen Dollar ausgegeben haben und zehn Punkte zurückliegen, müssen sie sich fragen lassen, wie Sie gewinnen wollen", kritisiert Wahlstratege Rollins in der New York Times, wie das Team des Präsidenten einen wichtigen Vorteil verspielte. „Die haben das Geld ausgegeben, als niemand hinschaute.“

Und für Dinge, die wenig mit dem Wahlkampf zu tun haben. Der unter Trump ganz nach oben aufgestiegene Brad Parscale dürfte der erste Wahlkampfmanager in der Geschichte der USA mit eigenem Wagen und Fahrer gewesen sein. Der Präsident selber ließ sich unter anderen Anwaltskosten in Höhe von mindestens 60 Millionen Dollar erstatten. Laut Forbes flossen an die Trump-Organisation Millionenbeträge der Wahlkampagne für Unterkunft, Verpflegung und Raummieten.

All das kommt nun wie ein Bumerang zurück. Während Joe Biden im August mit 364,5 Millionen Dollar einen Spendenrekord in der Geschichte der US-Wahlkämpfe aufstellte, muss Team Trump auf der Zielgeraden knausern.

Am Dienstag (Ortszeit) bestätigte der in den Umfragen zurückliegende Trump die Finanznöte seines Wahlkampfteams. Er sei bereit, “was immer es kostet” aus eigener Kasse zuzuschießen, um Biden zu schlagen. Die Rede ist von 100 Millionen Dollar.

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