Zehntausende feiern Fest für Toleranz / Sachsens Innenminister nach Treffen mit Rechtsbündnis in der Kritik Dresden ist mehr als nur Pegida

Dresdner Bürger machen aus der symbolträchtigen Montagsdemo ein Fest für Toleranz – in offenem Widerspruch zur fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung. In anderen Städten versammeln die Islamkritiker Hunderte Sympathisanten – aber die Gegner bleiben weit in der Überzahl. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) zieht nach einem Treffen mit Pegida-Organisatoren heftige Kritik auf sich.
27.01.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von MARTIN FISCHER und SIMONA BLOCK,RALF HÜBNER

Dresdner Bürger machen aus der symbolträchtigen Montagsdemo ein Fest für Toleranz – in offenem Widerspruch zur fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung. In anderen Städten versammeln die Islamkritiker Hunderte Sympathisanten – aber die Gegner bleiben weit in der Überzahl. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) zieht nach einem Treffen mit Pegida-Organisatoren heftige Kritik auf sich.

Unter dem Motto „Offen und bunt“ haben Zehntausende Dresdner gestern mit einem Konzert vor der Frauenkirche für Weltoffenheit demonstriert und ein Zeichen gegen die islamkritischen Aufmärsche in ihrer Stadt gesetzt. Sänger Herbert Grönemeyer, der zu den Künstlern gehörte, zeigte Verständnis für Politikverdrossenheit. Er warnte zugleich aber davor, den Islam zum Feindbild zu erklären. „Das geht gar nicht. Das ist auch völlig undemokratisch“, sagte der 58-Jährige.

In anderen Städten sahen sich gestern Pegida-Anhänger mit größeren Gegenkundgebungen konfrontiert. In Frankfurt am Main verhinderten etwa 3000 Demonstranten einen Pegida-Schweigemarsch mit rund 70 Teilnehmern. In Berlin, Hannover und Braunschweig verhinderte die Polizei ein Aufeinandertreffen der Lager. Auch hier waren die Pegida-Gegner deutlich in der Überzahl. In Karlsruhe demonstrierten rund 1000 Menschen für Weltoffenheit.

Auch das Dresdner Bürgerfest richtete sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. „Alle, die sich diesem Motto anschließen können, sind willkommen“, erklärte eine Sprecherin der Veranstalter. Gerhard Ehninger vom Verein „Dresden – Place to be“, der das Konzert organisiert hatte, sagte: „Wir wollen zeigen, dass Dresden weltoffen, tolerant und bunt ist, und haben uns bemüht, dass es warm wird, vor allem ums Herz“, sagte Ehninger.

Die Pegida-Organisatoren hatten ihre Anhänger zuvor ebenfalls ermuntert, zu dem Konzert zu gehen. „Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen“, hieß es. Ihre üblicherweise montags stattfindende Demonstration hatte die Bewegung wegen des Konzerts einen Tag vorverlegt.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) erntete unterdessen scharfe Kritik, weil er sich gestern zu einem Gespräch mit Pegida-Frontfrau Kathrin Oertel und einem weiteren Vorstandsmitglied der islamkritischen Bewegung getroffen hatte. „Der Dialog kann auf der Straße beginnen, kann aber dort nicht als verständiger Austausch von Meinungen und Argumenten geführt werden“, begründete der Minister sein Vorgehen. Er warb für Dialogangebote der Stadt Dresden und der Staatsregierung. Ziel sei es, die Bürgerschaft bei allen Meinungsverschiedenheiten wieder aufeinander zu zu bewegen, meinte Ulbig.

Der Innenminister wich damit allerdings vom bisherigen Kurs der Staatsregierung ab, die ein Treffen mit Pegida-Organisatoren bislang strikt abgelehnt hat. Ulbig möchte in einigen Monaten Dresdner Oberbürgermeister werden. Gewählt wird am 7. Juni. Amtsinhaberin Helma Orosz (CDU) gibt ihr Amt aus gesundheitlichen Gründen Ende Februar vorzeitig auf.

Sachsens Grüne sprachen von einem „Kniefall vor Pegida“, der an Zynismus nicht zu überbieten sei. Auch die Linke kritisierte das Treffen: „Der heutige öffentlich zelebrierte Schulterschluss des sächsischen Innenministers mit den Pegida-Köpfen ist ein Rechtsrutsch ohnegleichen“, sagte der Chef der Linken-Landtagsfraktion, Rico Gebhardt.

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