Rauschgift

Harte Drogen auf Vormarsch

Soziale Netzwerke statt Straßendeal: Die Drogenmafia passt sich der Corona-Krise an und wird verstärkt im Netz aktiv. Experten warnen, dass der Rauschgiftmarkt zur immer größeren Bedrohung für Europa wird.
23.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Emilio Rappold

Lissabon. Der Vormarsch harter Drogen wie Heroin und Kokain gefährdet in Zusammenspiel mit der Pandemie die Gesundheit und auch die Sicherheit der Europäer. Zu diesem Schluss ist die Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht der EU (EMCDDA) in ihrem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht gekommen. Die Strafverfolgungsmaßnahmen seien durch Corona beeinträchtigt worden, stellt die EU-Behörde fest.

Man müsse befürchten, dass „einige der betroffenen Gruppen im Zuge der wirtschaftlichen Folgen der Krise anfälliger für Drogen und eine Involvierung in den Drogenmarkt werden“, sagte EMCDDA-­Direktor Alexis Goosdeel bei der Vorstellung des Berichts. Man müsse deshalb „rasch handeln, um neue Bedrohungen zu erkennen und zu bewältigen“, forderte der Belgier.

Immer häufiger werden in Europa dem Bericht zufolge große Lieferungen abgefangen, was auf eine Zunahme des Handelsvolumens schließen lässt. Laut EMCDDA erreichte die in der EU sichergestellte Menge an Kokain zuletzt mit 181 Tonnen im Jahr 2018 einen Rekordwert, nach 138 Tonnen im Jahr 2017 und jeweils deutlich weniger als 100 Tonnen in den Jahren zwischen 2008 und 2016. Die größten Mengen wurden demnach in Belgien, Spanien und in den Niederlanden beschlagnahmt.

Bei Heroin sei derweil ein Anstieg der beschlagnahmten Menge von 5,2 (2017) auf 9,7 Tonnen (2018) registriert worden. Von einer verheerenden Opioid-Krise, wie sie die USA mit zuletzt mehr als 36 000 Todesopfern (2019) erschüttert, ist Europa zwar weit entfernt. 2018 gab es in der EU 8300 Todesfälle in Zusammenhang mit Drogenmissbrauch, davon 1276 in Deutschland. Mehr waren es nur in Großbritannien (fast 3300). Aber die EMCDDA-Experten warnen, dass das „Potenzial für einen vermehrten Heroinkonsum und die bereits bestehenden Schäden Grund zur Sorge“ geben.

Nicht nur Heroin und Kokain bereiten Sorgen. Beunruhigung lösen auch ein „hochpotenter Cannabis“, neue psychoaktive Substanzen, deren Zahl sich 2019 auf 53 belief, sowie das Auftauchen von acht neuen synthetischen Opioiden allein im Vorjahr aus.

Die organisierten kriminellen Gruppen hätten ihr Vorgehen in der Pandemie schnell den neuen Bedingungen angepasst, hieß es, und den Straßenverkauf zum Teil durch Onlinemärkte im Darknet, durch verstärkte Aktivität in den sozialen Netzwerken sowie durch Paket- und Heimlieferdienste ersetzt. Die vermehrte Sicherstellung großer Mengen von Drogen, die auf dem Seeweg transportiert würden, lasse befürchten, dass die Drogenmafia inzwischen die Lieferketten, Schifffahrtswege und große Häfen „infiltriert“ habe.

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