Pyeonchang

Ein Abschied von pompösen Spielen

Am kommenden Freitag wird die Olympia-Fackel nach Pyeonchang getragen und Südkoreas erste Winterspiele können beginnen. Trotzdem wirkte der Austragungsort vor wenigen Tagen noch wie verwaist.
03.02.2018, 21:18
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ein Abschied von pompösen Spielen
Von Felix Lee
Ein Abschied von pompösen Spielen

Die Olympischen Winterspiele Pyeongchang 2018 finden vom 9. bis zum 25. Februar statt.

dpa

Die Journalisten bauen ihre Übertragungstechnik auf, die ersten der insgesamt rund 2900 erwarteten Athleten aus 95 Staaten sind ins Olympische Dorf eingezogen, ebenso die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Und besonders wichtig: Auch der Sportgerichtshof CAS hat seine Büros bezogen, zusammen mit der Dopingkontrolle.

Dass Pyeongchang sich langsam mit Menschen füllt, wird auch Zeit. Am kommenden Freitag wird die Olympia-Fackel in den Ort getragen und Südkoreas erste Winterspiele können beginnen. Trotzdem wirkte der Austragungsort mit seinen gerade einmal 35.000 Einwohnern vor wenigen Tagen noch wie verwaist. Nur wenige neue Restaurants sind entstanden, auch keine noblen Hotels.

Es war eine bewusste Entscheidung der Organisatoren, im Vorfeld der Spiele in Südkorea keinen allzu großen Aufwand zu betreiben. Die Ausgaben sollen gering bleiben. Den IOC-Funktionären steckt noch Sotschi in den Knochen. Die Winterspiele von 2014 in dem russischen Badeort waren mit umgerechnet mehr als 40 Milliarden Euro die teuersten Spiele aller Zeiten.

Lesen Sie auch

Ein Großteil davon gab Russland zwar für Straßen, Schienen und einen nagelneuen Flughafen aus. Doch auch die rund 5,5 Milliarden Euro, die für die Errichtung der Stadien und Trainingsanlagen für die Winterspiele anfielen, hatten alles bisherige übertroffen. Die meisten Anlagen verkommen nun.

Ein solches Debakel will Pyeongchang von vornherein vermeiden. Ein Farbüberstrich über die bereits existierende Sprungschanze hier, die Verlängerung einer Skipiste da – von den insgesamt 13 benötigten Sportanlagen sind gerade einmal sieben neu geschaffen. Bei den anderen sechs geben sich die Organisatoren mit den alten Anlagen zufrieden.

Die Spiele finden vor allem an zwei Standorten statt. Um das Bergdorf Alpensia im Landkreis Pyeongchang herum sammeln sich die Wettkampfstätten der Außensportarten. Im benachbarten Küstenort Gangneung finden die olympischen Hallendisziplinen wie Eiskunstlauf, Eishockey oder Curling statt. Abgesehen der neu geteerten Straßen wirkt der Ort Pyeongchang selbst auch nur wenig glamourös. Der Ort soll authentisch bleiben, rechtfertigen sich die Veranstalter.

Das Olympia-Stadion, das ausschließlich für die Eröffnungs- und Abschlussfeier verwendet wird, hat denn auch gerade einmal umgerechnet rund 70 Millionen Euro gekostet. In Sotschi kostete das Stadion 700 Millionen Euro – so viel wie die südkoreanische Provinzregierung Gangwon insgesamt ausgeben will. Und es soll keine Ruinen geben. Das Olympiastadion wird nach den Spielen wieder abgerissen und in seine Einzelteile zerlegt. Dafür gebe es bereits Abnehmer, beteuern die Veranstalter. Sie haben sogar darauf verzichtet, ein Dach darüberzuspannen – zu teuer.

Die Sparsamkeit hat allerdings ihres Preis. Im Stadion ist es eisig kalt. Bei einem Konzert im Dezember mussten sieben Zuschauer wegen Unterkühlung abtransportiert werden. Jetzt im Februar ist es noch kälter. Für die nächsten Tage sind minus 15 Grad und eisiger Wind vorausgesagt. Nun wollen die Organisatoren das Stadion noch eilig mit zusätzlichen Heizstrahlern nachrüsten. Zudem haben sie angekündigt, bei der Eröffnungsfeier Decken und heiße Getränke auszugeben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+