Kommentar über Antisemitismus Ein Kampf an vielen Fronten

Antisemitismus kommt heute aus vielen Richtungen. Die bloße Verurteilung früherer Verbrechen reicht nicht mehr aus, um ihn zu überwinden, meint Politikredakteur Joerg Helge Wagner.
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Ein Kampf an vielen Fronten
Von Joerg Helge Wagner

Früher war Antisemitismus eindeutig zuzuordnen. Jahrhundertelang oblag es dem christlichen Klerus, die Juden zu diffamieren. Später waren es Monarchisten und Nationalisten, die den Juden absprachen, gleichberechtigte Bürger zu sein – bis hin zum Menschheitsverbrechen der Shoah. Dieser unbedingte Vernichtungswille flammte vor 80 Jahren flächendeckend auf: mit der tödlichen Brutalität früherer Pogrome und für alle sichtbar.

Nach dem Untergang des Nazi-Regimes hat es nicht zu wenige Sühnezeichen gegeben. Gut so. Doch heute reicht die ritualisierte Verurteilung früherer Verbrechen nicht mehr. Antisemitismus ist vielschichtig geworden, er kommt längst nicht mehr nur von Rechtsaußen. Juden in ganz Westeuropa betonen immer wieder: Feindseligkeiten bis hin zur nackten Gewalt drohen ihnen vor allem von Islamisten. Unter dem Vorwand der Kritik an Israels Politik wird zuweilen ganz ordinärer Judenhass ausgelebt.

Auch von Deutschen. Sawsan Chebli, SPD-Politikerin mit palästinensischen Wurzeln, schilderte jüngst eindringlich, wie oft sie unverhohlenen Antisemitismus erlebe: Nämlich immer dann, wenn Gesprächspartner davon ausgingen, dass ihr das aufgrund ihrer Herkunft doch gefallen müsse. Das sind Symptome derselben gesellschaftlichen Krankheit: Menschen nach ihrer Herkunft zu richten. Sie ist erst geheilt, wenn man ohne Furcht sowohl mit Kopftuch durch Chemnitz als auch mit Kippa durch Gröpelingen laufen kann.

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