Interview über das Rennen um den CDU-Vorsitz

„Ein kluger Schachzug“

Stefan Luft, Privatdozent an der Universität Bremen, analysiert die Kandidaten und sieht für einen von ihnen nur eine Außenseiterrolle.
26.02.2020, 06:07
Lesedauer: 2 Min
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„Ein kluger Schachzug“
Von Norbert Holst
„Ein kluger Schachzug“

Sie wollen zusammen an die CDU-Spitze: Armin Laschet und Jens Spahn.

MICHAEL KAPPELER/DPA

Armin Laschet und Jens Spahn gehen zusammen in das Rennen um CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur. Ein Coup?

Stefan Luft: Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die beiden erhebliche Teile der Parteitagsdelegierten aus Nordrhein-Westfalen an sich binden können. Es kommen ja alle vier Kandidaten daher. Armin Laschet hat sicherlich richtig kalkuliert, dass er jemanden an seiner Seite braucht, der ein eher konservatives Profil hat. Insofern ist das ein kluger Schachzug.

Ist das vielleicht ein entscheidender Vorteil gegenüber Friedrich Merz?

Das kommt darauf an, wie groß der Anteil derjenigen ist, die sagen: Ein „Weiter so“ darf es nicht geben. Auch wenn die Ära Merkel durchaus ihre erfolgreichen Seiten hatte, hat sie uns auch in schweres Fahrwasser geführt, hat uns eine starke Konkurrenz am rechten Rand beschert. Um diese existenzielle Herausforderung meistern zu können, müssen wir einen anderen Weg einschlagen – und dafür ist Friedrich Merz die richtige Person. Am Ende wird es davon abhängen, wie groß der Anteil derjenigen ist, die diese Position teilen.

Wie schätzen Sie das Stärkeverhältnis der beiden Lager ein?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Das hängt vor allem davon ab, wie sich die großen Landesverbände wie Hessen oder Baden-Württemberg positionieren. Es kommt auch darauf an, wie groß die Beharrungskräfte in der CDU momentan sind. Und es gibt den Druck, den CDU und FDP in den vergangenen Wochen massiv aushalten mussten. Beide Parteien sind enorm in der Defensive, vor allem die CDU ist innerlich zerrissen. Die Befürchtung, dass sie den Weg der SPD geht und auf Wahlergebnisse von 10 oder 20 Prozent zusteuert, ist ja nicht unbegründet. Die Delegierten werden sich auf dem Parteitag für den Kandidaten entscheiden, dem sie am ehesten zutrauen, das zu verhindern.

Wer ist denn ihr Favorit?

Das ist schwer zu sagen. Es geht ja nicht um persönliche Sympathien, sondern es geht darum zu analysieren, wer kann der AfD besser Paroli bieten und wer kann gleichzeitig auch die Mitte noch genügend binden. Die Feststellung, dass Wahlen in der Mitte gewonnen werden, ist ja nicht falsch. Die CDU darf das eher konservative Milieu nicht vernachlässigen, was sie in den vergangenen Jahren massiv getan hat. Es könnte sein, dass es Merz gelingt, im internen Wahlkampf stark zu mobilisieren, weil er ein guter Rhetoriker ist, der sagen kann: Ich habe diese Entscheidungen, die in den letzten 10, 15 Jahren getroffen worden sind, nicht mit zu verantworten. Laschet und Spahn hingegen sind Teil der merkelschen Politik.

Wir haben noch gar nicht über den vierten Kandidaten, Norbert Röttgen, gesprochen. Wie schätzen Sie dessen Chancen ein?

Ich denke, er wird keine wesentliche Rolle spielen. Er hat keine Argumente, die die Delegierten oder das Parteivolk so überzeugen könnten, dass sie sich sagen: Die anderen drei wollen wir nicht. Er ist klar in der Außenseiterrolle.

Es läuft nun auf eine Kampfabstimmung hinaus. Ist das eigentlich gut in der gegenwärtigen Krisenlage der CDU oder bringt das noch mehr Unruhe in die Partei?

Zunächst einmal schafft ein solcher Wettstreit Aufmerksamkeit. Das ist für jede Partei positiv. Wenn die CDU es nicht macht wie die SPD, die sich über Monate in einem Karussell bewegt hat, und wenn es Zeichen der innerparteilichen Versöhnung gibt und der Blick nach vorne gerichtet wird, kann das positive Effekte haben. Es ist immer gut, wenn es in einer Partei eine personelle Auswahl gibt. Es reicht aber nicht, die Aushängeschilder zu wechseln. Ohne inhaltliche Erneuerung wird es nicht funktionieren.

Das Gespräch führte Norbert Holst.

Info

Zur Person

Stefan Luft

ist seit dem Jahr 2008 Privatdozent am ­Institut für Politikwissenschaft der Universität Bremen. Zu den Schwerpunkten seiner Arbeit ­gehören die Themen Migration und Integration.

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