Hannah Volkers hilft, Bremer mit EU-Informationen zu versorgen Ein Praktikum im Herzen der Stadt

Bremen. Bremen hat eine Menge mit Europa zu tun, auch wenn das nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist. In dieser Serie stellen wir einige Beispiele vor – dieses Mal berichtet Hannah Volkers von ihrem Praktikum im Europa-Punkt-Bremen.
07.05.2014, 00:00
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Ein Praktikum im Herzen der Stadt
Von Silke Hellwig

Vor der Europawahl fragt sich der eine oder andere womöglich: Was hat Bremen schon mit Europa zu tun? Eine Menge, auch wenn das nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist. In dieser Serie stellen wir einige Beispiele vor – dieses Mal berichtet Hannah Volkers von ihrem Praktikum im Europa-Punkt-Bremen.

Ihr Praktikumsplatz könnte kaum attraktiver gelegen sein: Hannah Volkers arbeitet für 16 Wochen im Europa-Punkt-Bremen, der im Herzen der Stadt, im Erdgeschoss der Bremischen Bürgerschaft, eingezogen ist. Das ist beinahe auf den Tag genau sieben Jahre her. In Gesprächen hat Hannah Volkers festgestellt, dass viele Bremer die Einrichtung noch kaum wahrgenommen haben. Das ficht die 21-Jährige nicht an. Sie findet die Einrichtung am Marktplatz richtig und wichtig: „Ich finde Europa total faszinierend. Ich finde beeindruckend, was mit der EU in den vergangenen 60 Jahren geschaffen wurde. Man kann die EU nicht nur in Brüssel sehen, sondern überall, auch hier in Bremen. Über die Institutionen, die Prozesse und Abläufe der EU zu informieren, das finde ich wichtig.“

Hannah Volkers ist nach Einschätzung von Horst Seele-Liebetanz, der die Einrichtung leitet, in etwa die 40. Praktikantin im Europa-Punkt. Die jungen Menschen, die die Arbeit dort kennenlernen, absolvieren Pflichtpraktika – meist sind es Studenten und Schüler. Auch bei Hannah Volkers ergänzt das Praktikum die Ausbildung: Sie studiert an der Hochschule Bremen im internationalen Studiengang Politikmanagement.

Themen, die für Gleichaltrige nur mäßig spannend sein mögen, können die Bremerin mithin begeistern. „Ich habe ja auch einen super spannenden Zeitraum für das Praktikum erwischt, mit der Wahl mittendrin.“ Und sie wirbt dafür, wählen zu gehen. Bei aller Kritik, die man gegenüber der EU und dem Europäischen Parlament auch zu Recht anbringen könne, bleibe im Saldo ein überragender Pluspunkt übrig: „Mich beeindruckt, dass man es in Europa geschafft hat, trotz nationaler und kultureller Unterschiede eine gemeinsame Basis zu finden und seit Jahrzehnten Konflikte diplomatisch und friedlich zu lösen.“ Das sei vor dem Hintergrund der europäischen Geschichte eine kolossale Leistung.

Von montags bis freitags öffnet der Europa-Punkt für jedermann seine Glastüren. Neben einer Wand mit diversen Flaggen europäischer Nationen in Bettwäschegröße stapeln sich Broschüren über die EU und ihre Arbeit. Eine elegante Sitzecke steht womöglich all jenen für längere Gespräche zur Verfügung, denen der Sinn von EU-Bürokratie nicht auf die Schnelle einleuchten mag.

Wie sieht ein Praktikum in diesen Räumen aus? Im Mittelpunkt, sagt Hannah Volkers, stehe „der Bürgerkontakt“. Sie bearbeite Anfragen von Menschen, die die Anlaufstelle spontan besuchten, sie begleite Veranstaltungen, sie beantworte Fragen per Telefon und Mail. „Es gibt Studenten, die sich mit Europa im Studium befassen, Hausarbeiten zum Thema schreiben und deshalb zu uns kommen. Es gibt Referendare, die Unterrichtsmaterial suchen. Und manchmal kommen Leute, die haben in den Nachrichten irgendetwas aufgeschnappt und wollen mehr wissen.“ Auch im Europa-Punkt finden Veranstaltungen statt, die die Praktikantin mit vorbereitet oder begleitet. Vormittags arbeitet Hannah Volkers auf eigenen Wunsch in der EU-Abteilung des Senats im Büro und hilft derzeit bei der Organisation der Europawoche, die am 11. Mai endet.

Das Interesse für Europa, für die Europäische Union samt ihrer Institutionen sei durch ein Schülerpraktikum bei einem Fair-Trade-Unternehmen entstanden. Der Blick über den Tellerrand, die Auseinandersetzung mit internationalen Handelsbeziehungen habe sie gefesselt, im Studium sei aus einer internationalen Orientierung eine eher europäische geworden. „Ich finde die EU als Akteur in diesem internationalen Raum sehr interessant.“ Damit steht sie unter ihren Kommilitonen nicht alleine da, bei ehemaligen Klassenkameraden sieht es anders aus. „Es gibt darunter schon welche, die meinen, dass Europa sie nichts angeht. Das ist für mich manchmal auch etwas schwierig, weil ich das nicht gerne so stehen lasse.“ Sie habe in Sachen Europa schon eine Art missionarischen Eifer, räumt Hannah Volkers ein, „aber ich dränge mich nicht auf. Ich kann keinem vorschreiben, Europa toll zu finden, weil ich es toll finde“.

Selbst wenn die Wirtschafts- und Finanzkrise die EU vor neue Herausforderungen stelle, allzu große Sorgen macht sich Hannah Volkers um die Zukunft Europas nicht. „Ich bin zuversichtlich, dass es richtig ist, sich in Europa gegenseitig zu unterstützen und niemanden einfach alleine dastehen zu lassen. Wir sind nach dem Krieg unterstützt worden, jetzt sind wir dran und unterstützen andere Nationen.“

In der nächsten Folge

berichtet Thomas Schwender, Mitarbeiter im Wirtschaftsressort, über EU-Fördergelder in Bremen.

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