NSU-Prozess: Marcel D. räumt seine Rolle als V-Mann ein Ein schwieriges Bekenntnis

München. Die Beichte fällt Marcel D. ex-trem schwer.
21.07.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Wiebke Ramm

München. Die Beichte fällt Marcel D. ex-trem schwer. Aber schließlich outet er sich an diesem 300. Verhandlungstag im NSU-Prozess doch noch als ehemaliger V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. Die Worte „V-Mann“ und „Verfassungsschutz“ kommen dem 40-Jährigen vor dem Oberlandesgericht München allerdings auch an diesem Mittwoch immer noch nicht über die Lippen. Er äußert sich lieber verklausuliert. Denn Marcel D., der ehemalige Chef der Thüringer Sektion der Neonazi-Organisation „Blood and Honour“, möchte am liebsten weiter leugnen, von 1996 bis 2000 als Spitzel für den Thüringer Verfassungsschutz gearbeitet zu haben. Doch eine Lüge vor Gericht ist strafbar.

Dreimal musste Marcel D. schon als Zeuge im NSU-Prozess aussagen. An diesem Mittwoch sitzt er zum vierten Mal im Zeugenstand. An einem früheren Verhandlungstag hat er bestritten, für den Verfassungsschutz gearbeitet zu haben. Dabei haben das Thüringer Innenministerium und Marcel D.s V-Mann-Führer seine Spitzeltätigkeit längst bekannt gemacht.

Die Staatsanwaltschaft München I hat deshalb ein Verfahren wegen Falschaussage eröffnet. Die Behörde hat das Verfahren nun vorläufig wieder eingestellt, weil die Richter Marcel D. die Gelegenheit gegeben haben, seine Antwort zu korrigieren. So fragt Richter Manfred Götzl gleich zu Beginn, ob er vielleicht irgendetwas sagen möchte. Marcel D. bespricht sich kurz mit seinem Anwalt, dann überrascht er mit seiner Antwort: „Nein.“ Götzl gibt ihm eine weitere Chance. „Haben Sie für den Thüringer Verfassungsschutz gearbeitet?“ Die Antwort verwirrt nun vollends: „Die Aussage hierüber möchte ich revidieren und die Aussage verweigern.“

Erst nach längerem Hin und Her zwischen Richter, Staatsanwalt und Marcel D.s Verteidiger fragt Götzl noch einmal den Zeugen selbst. Und da kommt es, das verklausulierte Bekenntnis zu ­seiner Spitzeltätigkeit. Er sagt: „Ich habe gesagt, ich korrigiere meine Aussage in dieser Hinsicht.“ Ansonsten berufe er sich auf sein Auskunftsverweigerungsrecht. Die Verwirrung ist komplett. Marcel D. muss nun noch ein fünftes Mal vor dem Oberlandesgericht erscheinen. Vielleicht kann er dann endlich zu den eigentlich verfahrensrelevanten Themen befragt werden. Er soll die mutmaßlichen NSU-Terroristen mit Spendengeldern unterstützt haben. Das Geld soll in der rechten Szene auf Konzerten eingesammelt worden sein, die „Blood and Honour“ organisiert haben soll.

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