Neuer Chef der Bischofskonferenz

Ein undankbares Amt aber unheimlich wichtig

Georg Bätzing, der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, steht vor einer großen Aufgabe: Er muss die Bischöfe einen und die großen Erwartungen der Basis erfüllen - ein undankbares Amt, findet Marc Hagedorn.
04.03.2020, 06:00
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Ein undankbares Amt aber unheimlich wichtig
Von Marc Hagedorn
Ein undankbares Amt aber unheimlich wichtig

Abgetreten: Kardinal Reinhard Marx ist nicht mehr Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Andreas Arnold/dpa

Mit schwierigen Fällen kennt sich Georg Bätzing aus. Als er 2016 neuer Bischof von Limburg wurde, steckte das Bistum in einer tiefen Krise. Für unverschämte 31 Millionen Euro hatte sich Bätzings Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen Wohn- und Dienstsitz herrichten lassen. Auch die Amtsführung von Tebartz-­van Elst, autoritär, und die Außenwirkung des Mannes, abgehoben, hatten verheerende Folgen. Das Vertrauen der Menschen in die Kirchenführung war erschüttert. Bätzing ist nie in die pompöse Wohnung seines Vorgängers eingezogen. Heute, so heißt es, sei das Bistum wieder geeint, sei das Vertrauen zurück.

Als schwierige Aufgabe gilt auch die Führung der Deutschen Bischofskonferenz. Bätzing ist ihr neuer Vorsitzender. Über den Mann wird freundlich gesprochen. Er sei kommunikativ, den Menschen zugewandt und humorvoll, er strahle Ruhe und Gelassenheit aus. Da wirkt also an der Spitze der Bischöfe künftig einer, der offenbar eine integrative Kraft hat. Das kann nur hilfreich sein.

70 Machtbewusste Mitglieder

Fast 70 Mitglieder hat die Bischofskonferenz. Es sind machtbewusste Persönlichkeiten unterschiedlichen Temperaments und unterschiedlicher Ausrichtung, Reformer, moderate Kräfte, konservative und erz-konservative Vertreter, untereinander teils zerstritten.

Um einordnen zu können, wie groß die Aufgabe ist, diese Runde zu führen, kann helfen, noch einmal auf Bätzings Vorgänger Kardinal Reinhard Marx zu schauen. Marx, ein Baum von einem Mann, galt als zupackender Reformer. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat ihn einmal „Rambo mit Kardinalshut“ genannt. Dieser Kraftmensch wollte nach sechs Jahren plötzlich nicht mehr Chef der Bischofskonferenz sein. Offiziell gab Marx an, sich mit 66 zu alt für eine zweite Amtszeit zu fühlen. Nicht wenige vermuten, dass er des Kämpfens müde war.

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Kämpferqualitäten wird Bätzing, der mit 58 Jahren für Kirchenverhältnisse jung ist, als Chef der Bischofskonferenz nachweisen müssen. Nach innen und nach außen. Nach innen: Es sollte nicht noch einmal so etwas passieren, wie es mit jenem Papier passiert ist, das evangelisch-katholischen Paaren ermöglichen sollte, gemeinsam zur Kommunion zu gehen. Nachdem die Bischofskonferenz mehrheitlich für die Veröffentlichung gestimmt hatte, schrieben sieben Bischö­fe auf eigene Faust an den Papst und baten um eine Klarstellung. Der Eindruck von außen: Nicht allen Bischöfen ist es ernst mit der Ökumene. Und wenn es hart auf hart kommt, wird hinter dem Rücken der anderen taktiert und paktiert.

Im Jahr 2020 ist ein solcher Eindruck fatal. Denn innerkirchliche Macht- und Richtungskämpfe sind das, was die katholische Kirche am allerwenigsten gebrauchen kann. Dafür sind die Herausforderungen viel zu groß und die Erwartungen der Mitglieder viel zu hoch.

Frauen drängen sich in den Vordergrund

Ein Weiter-so, das Reformen ablehnt, darf es nicht geben. Die Kirche verliert schon jetzt jedes Jahr immer mehr Mitglieder durch Austritte. Die Gottesdienste sind immer schlechter besucht. In vielen Gemeinden funktioniert das kirchliche Leben nur noch dank des ehrenamtlichen Engagements derjenigen, denen Kirche heute noch wichtig ist, in den meisten Fällen sind es Frauen. Sie drängen auf mehr Verantwortung, auf Weiheämter auch. Maria 2.0 heißt der Zusammenschluss, mit dem sie ihren Wünschen Ausdruck verleihen.

Am Umgang mit der Frauenfrage und daran, wie glaubwürdig die Aufklärung der Fälle von sexuellen Missbrauchs gelingt, wird sich kurzfristig entscheiden, ob die katholische Kirche im Leben der Menschen künftig noch eine Rolle spielt.

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Zum Austausch mit den Laien hat die Kirchenführung den Synodalen Weg ins Leben gerufen. Bätzing hat versprochen, den Weg fortzusetzen. Er muss dabei aber nicht nur moderieren, sondern auch vorangehen. Was seine Arbeit nicht leichter macht, ist die Tatsache, dass Rom – dort sitzen der Papst und die Kurie – den deutschen Reformweg äußerst kritisch beäugt. Bätzing hat ein undankbares Amt. Der Druck ist immens, die Erwartungshaltung groß. Die Zeit drängt, und eines ist nicht erlaubt: scheitern.

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