Leuchtballons steigen in den Nachthimmel Eine Million Menschen feiern den Mauerfall

Mit Tausenden Ballons die in den Abendhimmel stiegen, haben die Berliner die ehemalige Grenze erneut aufgelöst. Neben Feierstimmung gab es aber auch kritische Töne.
10.11.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von THOMAS LANIG, UTA WINKHAUSUND THOMAS STRUK

Tausende Ballons steigen in den Abendhimmel – und 25 Jahre nach dem Mauerfall löst sich die symbolische Grenze wieder auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht den Jahrestag als Signal an die Welt, doch in den Jubel mischen sich auch kritische Töne.

Dankbar, stolz und nachdenklich: Mehr als eine Million Menschen haben in Berlin den Mauerfall vor 25 Jahren gefeiert. Zahlreiche Veranstaltungen erinnerten an die Ereignisse des 9. Novembers 1989. Kanzlerin Angela Merkel sprach am Vormittag beim zentralen Gedenken am ehemaligen Todesstreifen von einer Botschaft für die Welt: „Der Mauerfall hat uns gezeigt: Träume können wahr werden. Nichts muss so bleiben wie es ist.“ Aber auch die Erinnerung an die Opfer der deutschen Teilung und Sorgen um die weltpolitischen Konflikte prägten den Festtag.

Besucher aus aller Welt

Insbesondere die Krise um die Ukraine und die Spannungen mit Russland warfen einen Schatten auf die festliche Stimmung. Merkel betonte: „Wir können die Dinge zum Guten wenden.“ Diese Botschaft richte sich besonders an die Menschen in der Ukraine, in Syrien und im Irak und in vielen anderen Regionen, „in denen Freiheits- und Menschenrechte bedroht oder mit Füßen getreten werden.“

Zum Jubiläum des Mauerfalls waren Hunderttausende Menschen aus aller Welt nach Berlin gekommen. Hauptattraktion der Feierlichkeiten war die Lichtinstallation, die den Verlauf der einstigen Mauer nachzeichnete. Als am Abend knapp 7000 Ballons in den Himmel stiegen und sich so die symbolische Grenze wieder auflöste, erklang Beethovens „Ode an die Freude“, gespielt von der Staatskapelle Berlin.

Feiern in ganz Deutschland

Wegen Überfüllung waren schon weit vorher die Zugänge zum Bürgerfest unter dem Motto „Mut zur Freiheit“ geschlossen werden. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte am Brandenburger Tor, die Deutschen seien noch immer stolz und glücklich, dass die Mauer vor 25 Jahren niedergerissen worden sei. Mit dabei waren auch Bundespräsident Joachim Gauck sowie der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow und Polens Ex-Präsident Lech Walesa.

Auch an vielen anderen Orten entlang der einstigen innerdeutschen Grenze wurde an die historischen Ereignisse erinnert. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und ihr hessischer Amtskollege Volker Bouffier (beide CDU) überquerten die „Brücke der Einheit“ über die Werra und legten am ehemaligen Grenzstreifen Kränze für die Maueropfer nieder.

Mit Veranstaltungen in Helmstedt und am ehemaligen DDR-Grenzübergang Marienborn erinnerten Niedersachsen und Sachsen-Anhalt an den Mauerfall. Die Ministerpräsidenten beider Länder, Stephan Weil und Reiner Haseloff, würdigten die Entschlossenheit und die Zivilcourage der Menschen in der DDR. Ohne sie wäre der 9. November 1989 undenkbar gewesen, sagte der Haseloff (CDU). Weil (SPD) stellte fest: „Das war ein politisches Wunder.“ Der 9. November 1989 bleibe unvergessen.

„Wir brauchen Brücken, keine Mauern“

Die Feierlichkeiten hatten mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St. Stefani-Kirche in Helmstedt begonnen. Daran hatten neben den beiden Regierungschefs evangelische und katholische Bischöfe aus beiden Ländern teilgenommen. Niedersachsen hatte von allen westdeutschen Bundesländern mit rund 550 Kilometern die längste gemeinsame Grenze mit der DDR. Sie reichte von Bleckede im Norden die Elbe entlang über Helmstedt und den Harz bis ins Eichsfeld im Süden.

Papst Franziskus äußerte in Rom die Hoffnung, dass weitere Mauern zu Fall gebracht werden könnten. „Wir brauchen Brücken, keine Mauern“, rief er den Gläubigen auf dem Petersplatz zu. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker forderte in Brüssel, Europa „eine Herzensangelegenheit“ werden zu lassen. „Mehr denn je muss Europa seiner Verantwortung zur Wahrung von Frieden und Freiheit gerecht werden.“ Der Präsident des Europäischen Parlamentes, Martin Schulz (SPD), nannte den Umgang mit Flüchtlingen eine „Schande für Europa.

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