Kommentar über die Personalpolitik Eine verheerende Entwicklung bei der Post

Der Kriterienkatalog der Deutschen Post ist eine Bestrafung der Leute, denen das Unglück widerfährt, krank zu sein, schreibt Annette Düring, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bremen-Elbe-Weser.
30.05.2018, 22:22
Lesedauer: 2 Min
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Von Annette Düring

Überlastung, Erschöpfung, Stress – aus diesen Gründen lassen sich immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland krankschreiben. Die Fehltage aufgrund zu hoher Arbeitsbelastung haben innerhalb von vier Jahren, zwischen 2012 und 2016, um fast ein Drittel zugenommen. Das belegen aktuelle Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums, der Krankenkassen sowie diverser Betriebsstudien.

Der Arbeitsdruck wächst kontinuierlich, die Arbeit verdichtet sich zunehmend. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden im Zeitalter der Digitalisierung und Vertaktung der Arbeit zunehmend überwacht (zum Beispiel bei Amazon mittels elektrischer Armbänder, die Inaktivität melden – Huxleys „Schöne Neue Welt“ lässt grüßen!).

Viele sind befristet beschäftigt und bangen, ob ihr Arbeitsvertrag überhaupt verlängert wird. Auch diese Unsicherheit ist ein enormer Stressfaktor. Beschäftigte müssen sich jedes Jahr fragen, ob sie genug Leistung gebracht haben, um überhaupt in ihrem Job bleiben zu können.

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Inmitten dieser für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schwierigen Gemengelage wendet die Deutsche Post bei der Entscheidung über die Entfristung von Arbeitsverträgen nun einen Kriterienkatalog an. Für eine Entfristung sollten sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb von zwei Jahren nicht öfter als sechs Mal krankgemeldet und insgesamt nicht länger als 20 Tage gefehlt haben.

Dieser Katalog mit diesen Kriterien ist eine Bestrafung der Leute, denen das Unglück widerfährt, krank zu sein. Welches Menschenbild liegt einer solchen Personalpolitik nur zugrunde? Diese Denke ist eine verheerende Entwicklung! Viel wichtiger wäre, dass die Deutsche Post gute Arbeitsbedingungen schafft.

Unsere Betriebsrätinnen und Betriebsräte bei der Deutschen Post kritisieren zu Recht seit etlichen Jahren die hohe Zahl an befristeten Arbeitsverträgen. Sie versuchen seit Jahren in allen Bereichen, befristete Arbeitsverträge in unbefristete umzuwandeln. Allein in diesem Jahr haben schon jetzt mehr als 2000 Beschäftigte von gewerkschaftlichen Aktivitäten profitiert. Ihre Verträge wurden entfristet.

Wir Gewerkschaften bekämpfen die sachgrundlose Befristung von Arbeitsverhältnissen entschieden. So, wie es auch die Politik im Koalitionsvertrag festgehalten hat. Wir fordern die Politik auf, nicht nur auf dem Papier, sondern in den Betrieben umgehend für ein Ende der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverhältnissen zu sorgen. Es ist höchste Zeit, das Teilzeit- und Befristungsgesetz entsprechend zu ändern. Und die Sachgründe gehören auf den Prüfstand, um missbräuchliche Nutzungen zu verhindern.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin Annette Düring ist Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bremen-Elbe-Weser. Nach einer Ausbildung zur Erzieherin studierte die gebür­tige Ostwestfälin ­Diplom-Pädagogik in Bremen. Sie ist dort seit 2001 Gewerkschaftssekretärin.

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