Kommentar über Organspenden Eine Widerspruchslösung muss rechtssicher sein

Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgebrachte Widerspruchslösung zum Thema Organspende ist grundsätzlich eine gute Idee, findet die Präsidentin der Ärztekammer Bremen Heidrun Gitter.
11.09.2018, 22:21
Lesedauer: 2 Min
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Von Heidrun Gitter

Seit Jahren sind die Organspendezahlen in Deutschland rückläufig. Die Ursachen sind vielfältig: So bekommen Krankenhäuser oft zu wenig Unterstützung und sind personell wie finanziell zu schlecht ausgestattet, um potenzielle Spender zu erkennen und das Verfahren in die Wege zu leiten. Auch der medizinische Fortschritt trägt dazu bei, dass die Zahl der Organspender zurückgeht: Mehr Menschen überleben schwere Erkrankungen oder Unfälle.

Mit einem Entwurf des Gesetzes für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende (GZSO) möchte das Bundesgesundheitsministerium nun die Zahl der Organspenden in Deutschland wieder deutlich erhöhen. Das ist zunächst einmal begrüßenswert. Richtig finde ich, dass die Transplantationsbeauftragten mehr Zeit für ihre Aufgaben sowie uneingeschränktes Zugangsrecht zu den Intensivstationen und uneingeschränkte Einsicht in die Patientenakten zur Auswertung des Spenderpotenzials erhalten sollen. Auch die vorgesehene bessere Vergütung ist dringend notwendig.

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Klare und nachvollziehbare Abläufe und Zuständigkeiten müssen dafür sorgen, dass vor allem kleinere Entnahmekliniken schnelle und qualifizierte Unterstützung bekommen. Die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls benötigt speziell qualifizierte Fachärzte, sodass ein neurologischer konsiliarärztlichen Bereitschaftsdienst jederzeit für Entnahmekliniken auch regional verfügbar sein muss.

Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in die Diskussion gebrachte Widerspruchslösung ist grundsätzlich eine gute Idee. Sie muss allerdings für alle rechtssicher umzusetzen sein: Denn oft stehen Formulierungen in Patientenverfügungen im Widerspruch zu der Bereitschaft, Organe zu spenden. Rechtsanwälte und Notare, Ärzte und Beratungsstellen, also diejenigen, die bei der Erstellung von Patientenverfügungen helfen, brauchen hier rechtssichere Formulierungshilfen sowie Fortbildungen, die für dieses Problem sensibilisieren.

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Ein weiterer wichtiger Baustein für mehr Organspenden ist die in Bremen noch ausstehende Fertigstellung des Ausführungsgesetzes, das die Qualifikation des Transplantationsbeauftragten und die Rahmenbedingungen der Tätigkeit festlegt. Ich begrüße, dass dieser Schritt jetzt in Angriff genommen wurde. Die Ärztekammer Bremen hat eine Arbeitsgruppe mit erfahrenen Ärztinnen und Ärzten eingesetzt, um den Gesetzgebungsprozess und unterstützende Maßnahmen zu begleiten. Niemand braucht bürokratische Hürden – wir brauchen schlanke und sichere Abläufe, um wieder mehr Organspender zu gewinnen.

Info

Zur Person

Unsere Gastautorin Heidrun Gitter ist seit 2011 Präsidentin der Ärztekammer Bremen und leitende Oberärztin an der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie im Klinikum Bremen-Mitte.

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