Vorsitzer Frank Sturm vom Nautischen Verein schätzt die guten Verkehrsverbindungen von und nach Bremen „Einen Hafen baut man für 100 Jahre“

Der 1905 gegründete Nautische Verein zu Bremen veranstaltet heute sein traditionelles Nautisches Essen im Park-Hotel. Über die Bedeutung, Ziele und Herausforderungen des Vereins sprach Peter Hanuschke mit dessen Vorsitzer Frank Sturm.
15.11.2013, 00:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste

Der 1905 gegründete Nautische Verein zu Bremen veranstaltet heute sein traditionelles Nautisches Essen im Park-Hotel. Über die Bedeutung, Ziele und Herausforderungen des Vereins sprach Peter Hanuschke mit dessen Vorsitzer Frank Sturm.

Wen begrüßen Sie denn zum Nautischen Essen?

Frank Sturm: Wiederum über 330 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der maritimen Wirtschaft. Das Nautische Essen, welches dieses Jahr zum 35. Mal im Park-Hotel stattfindet, ist wie im Vorjahr ausgebucht. Darüber freue ich mich natürlich besonders.

Wer ist denn Mitglied im Nautischen Verein zu Bremen?

Der Verein ist schon maritim koloriert, aber wesentlich breiter aufgestellt, als es sein Name vermuten lässt. Neben Kapitänen und Lotsen sind auch zum Beispiel Spediteure, Logistiker, Versicherer, Banker und Juristen vertreten. Stolz sind wir auch auf unsere 68 kooperativen Mitglieder, also Firmen und Institutionen. Daran kann man schon sehen, wie breit wir aufgestellt sind, denn 68 Reedereien finden Sie in Bremen nicht vor.

Gibt es neben dem Nautischen Essen noch andere Aktivitäten im Verein?

Ja unsere Fachvorträge, die von Oktober bis April jeden zweiten Dienstag im Monat im Haus Tritonia stattfinden. Wir stellen jede Saison dabei unter ein Motto. Derzeit beleuchten wir das Thema „Megacarrier – besondere Herausforderung“ aus verschiedenen Blickwinkeln. Neue Perspektiven wurden uns durch kompetente Referenten schon am Beispiel des Containerterminals in Wilhelmshaven und aktuell letzten Dienstag zum Thema Schiffsunfälle auf See und im Hafen aufgezeigt. Da gab es wieder viel Neues und Interessantes zu sehen und hören. Gäste sind bei diesen Veranstaltungen übrigens herzlich willkommen.

Mega-Carrier hätten im Jade-Weser-Port viel Platz, dort ist ungewollt viel ungenutzte Kaje vorhanden. Glauben Sie, dass der Hafen bald in Schwung kommt?

So einen Hafen baut man nicht für zehn, 20 oder 30 Jahre, sondern eher für 100 Jahre und mehr. Und wer glaubt, da wird nur ein Schalter umgelegt und dann läuft so ein Projekt, der denkt nicht weit genug. Die Reedereien müssen ihr gesamtes Handling inklusive der Feederverkehre und weiteren Zu- und Abläufen umstellen. Und das dauert. Ich glaube aber, mit den zunehmenden Schiffsgrößen – und viele Mega-Carrier sind im Dienst und bereits bestellt – wird so ein Tiefseewasserhafen wie der Jade-Weser-Port seine Chance bekommen und wird sie auch nutzen. Und für Bremen liegt der Jade-Weser-Port strategisch sehr gut. Es wird immer viel über die unfertige A281 geschimpft, aber durch das Stück gibt es vom GVZ aus nur eine einzige Ampel, und danach geht‘s ampelfrei direkt zum Containerterminal Wilhelmshaven. Damit ist Bremen von den Verbindungen her ein noch interessanterer Standort. Schließlich haben wir schon die guten Verkehre auf dem See- und Landweg nach Bremerhaven, und wichtig sind auch die Ganzzugsverkehre zu den Hamburger Containerterminals.

Wie ist der Draht zwischen dem Nautischen Verein und der Politik in Bremen?

Der Kontakt ist eher als gering einzuordnen. Das liegt an den Größenverhältnissen. In einer Stadt wie Emden oder Cuxhaven spielt der Nautische Verein eine wesentlich größere Rolle. Da werden alle maritimen Themen im Nautischen Verein vorbehandelt und besprochen. Da sind alle dabei – vom Bürgermeister bis zu den Pressevertretern. Das ist hier in Bremen anders. Dafür gibt es andere Plattformen.

Wie ist denn die Zusammenarbeit mit den anderen Nautischen Vereinen?

Entlang der Nord- und Ostseeküste gibt es 20 regionale Nautische Vereine, organisiert unter dem Dach des Deutschen Nautischen Vereins. Im dortigen Ständigen Fachausschuss erarbeiten wir zusammen Stellungnahmen und Empfehlungen für die Politik, Fachöffentlichkeit sowie die zuständigen Verwaltungen und Ministerien.

Können Sie hierfür Beispiele nennen?

Da sind zum Beispiel die Empfehlungen der Fachtagung des diesjährigen Deutschen Seeschifffahrtstags, der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten in Wilhelmshaven stattgefunden hat. Vorlagen gibt‘s hier zu den Themen: Ausbildung in der Seeschifffahrt oder Entwicklung der Verkehrsströme unter strukturellen Aspekten. Über den Deutschen Nautischen Verein werden aber auch Änderungen am Offshore-Windenergie-Sicherheitsrahmenkonzept im Wesentlichen zum Thema „Sicherung der Verkehrswege“ vorgeschlagen. In Kürze wird zum Vorschlag der EU-Schiffsausrüstung-Verordnung Stellung genommen. Es ist also allerhand in Bewegung.

Sind Sie mit dem zufrieden, was der Deutsche Nautische Verein aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren erreicht hat?

Durchaus, er wird wahrgenommen. Das äußert sich schon in der guten Resonanz, zum Beispiel am Maritimen Dialog in Bonn und dem Nautischen Parlamentarischen Abend in Berlin, die jährlich stattfinden. Hier werden stets aktuelle Schifffahrtsthemen sachkundig behandelt. Auch bei der Nationalen Maritimen Konferenz ist der Deutsche Nautische Verein durch die Leitung eines Arbeitskreises vertreten.

Haben Sie noch Wünsche in Bezug auf den Nautischen Verein zu Bremen?

Wie jedem Verein würde uns Nachwuchs, also neue jüngere Mitglieder, gut zu Gesicht stehen. Noch können wir unsere Mitgliederanzahl in der Größenordnung von 330 Mitgliedern halten. Es lohnt sich, die Plattform Nautischer Verein zu erhalten und auszubauen. In jüngeren Jahren unterschätzt man oft die Bedeutung von Netzwerken und die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs. Später sagt man dann: hätte ich mal. Ich würde mich freuen, neue Mitglieder begrüßen zu dürfen.

Worauf freuen Sie sich heute Abend besonders?

Zunächst auf das volle Haus und dann natürlich auf die Reden. Hauptsprecher ist der Präses der Handelskammer, Herr Christoph Weiss, der sicherlich die kaufmännische Sichtweise auch auf maritim geprägte Themen betonen wird, und dann auf die traditionelle Kapitänsrede, bei der hier beim Nautischen Essen durchaus auch lustige Komponenten enthalten sein dürfen. Nach dem Hauptgang zu späterer Stunde eine besondere Herausforderung für Kapitän Arne Ehlers, den Geschäftsführenden Gesellschafter der Bremer Reederei E+B. Aber ich verspreche, auf die Redner ist Verlass. Ach ja, fast hätte ich es vergessen und selbstverständlich auf das traditionelle Essen – Curry vom Huhn.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+