Konzept für 26-Millionen-Euro-Projekt

Einigung über Kühne-Neubau

Dem Neubau des Firmensitzes von Kühne + Nagel steht offenbar nichts mehr im Wege. Nach Informationen des WESER-KURIER gibt es einen Konsens zwischen Baubehörde, Landesdenkmalpfleger und dem Konzern.
11.01.2016, 00:00
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Einigung über Kühne-Neubau
Von Jürgen Theiner
Einigung über Kühne-Neubau

Die Firma Kühne + Nagel will ihren Firmensitz neu gestalten.

Christina Kuhaupt

Dem Neubau des Firmensitzes von Kühne + Nagel am Rande des Altstadt steht offenbar nichts mehr im Wege. Nach Informationen des WESER-KURIER haben die Baubehörde und der Landesdenkmalpfleger bereits im alten Jahr mit Vertretern des Logistikkonzerns einen Konsens über die Gestaltung des Baukörpers erreicht.

Das Gebäude soll auf einem Areal im Einmündungsbereich Martinistraße / Wilhelm-Kaisen-Brücke entstehen. Die Fläche erstreckt sich über das vorhandene Firmengrundstück hinaus bis zum Kopf der Brücke und schließt rund 1000 Quadratmeter ein, die sich derzeit noch in städtischem Besitz befinden.

Es soll also am Zugang zur Altstadt gebaut werden, an einer städtebaulich sensiblen Stelle, die zur Pufferzone rund um die Unesco-Welterbestätte Rathaus und Roland gehört. Entsprechend hoch war das Interesse von Baubehörde und Denkmalpflege, auf die Gestaltung des Gebäudekomplexes einzuwirken. Doch Firmenpatriarch Klaus-Michael Kühne selbst stellte bei Vorgesprächen im Rathaus klar, dass für ihn ein Architektenwettbewerb unter städtischer Ägide nicht infrage komme. „Er zog sich auf den Standpunkt zurück, dass es für diese Forderung keine gesetzliche Grundlage gebe. Punkt, aus, fertig“, erinnert sich ein Teilnehmer der Runden.

Für Senatsbaudirektorin Iris Reuther war es angesichts dieser Ausgangslage schon ein Erfolg, dass sich das Unternehmen zur Mitwirkung in einem sogenannten Gestaltungsgremium bereitfand – einem von Reuther in Bremen eingeführten Gesprächsformat speziell für Standorte, an denen keine Wettbewerbe ausgeschrieben werden, bei denen die Ansprüche aber so hoch sind, dass man dort neben einem qualifizierten Architekten eine entsprechende fachliche Begleitung braucht.

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Dieses Gremium kam im vergangenen Jahr mehrfach zusammen, zuletzt am 12. November. Dabei wurde dem Vernehmen nach Einigkeit über einige Modifikationen am ursprünglichen Entwurf des Bauherrn erzielt. Im Grundsatz bleibt es bei einem dreiteiligen Ensemble aus Hauptgebäude direkt an der Brücke, niedrigem Mittelbau, der die Sichtachse zur Wachtstraße freigibt, und einem weiteren Baukörper auf der Fläche des Bestandsgebäudes aus den 60er Jahren. „In Maßstäblichkeit und Größe haben wir eine gute Lösung für dieses anspruchsvolle Projekt gefunden“, sagt Senatsbaudirektorin Iris Reuther. Zu Details will sie sich noch nicht äußern. Aus anderer Quelle war zu erfahren, dass Kühne + Nagel einwilligte, die Fassade aus Sandstein zu gestalten und nicht in der für Bürokomplexe üblichen Glas-/Stahl-Optik.

Zugeständnisse von Kühne + Nagel

Es waren wohl solche Zugeständnisse, die Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki dazu brachten, dem Entwurf letztlich zuzustimmen. Er findet den geplanten Baukörper „noch akzeptabel“. Überschwänglich klingt das nicht. Skalecki warnt: „Wir müssen grundsätzlich vorsichtig sein. Es darf nicht sein, dass wir in Deutschland die Weichbilder unserer historischen Altstädte verschandeln.“

Aus der Schweizer Konzernzentrale von Kühne + Nagel wird die Einigung mit den Bremer Behörden ebenfalls bestätigt. Ein Bauantrag sei zwischenzeitlich eingereicht worden, so Unternehmenssprecherin Inge Lauble. Das Investitionsvolumen beziffert sie auf rund 26 Millionen Euro. Aktuell sei man dabei, diverse flankierende Verträge auszuhandeln, unter anderem zur umgebenden Infrastruktur. So muss die vorhandene Rechtsabbiegerspur von der Martinistraße auf die Wilhelm-Kaisen-Brücke umgebaut werden, weil das Hauptgebäude in diesen Bereich hineinragt. Die Politik hat bei alldem noch ein Wörtchen mitzureden, denn zur Realisierung des Vorhabens ist eine Änderung des geltenden Bebauungsplans erforderlich. Das Thema wird voraussichtlich im Februar die Baudeputation beschäftigen.

Die Bremer Architektenkammer hält an der Kritik fest, die sie im Herbst an der Handhabung des Projektes durch die Baubehörde geübt hatte. Aus Sicht ihres Präsidenten Michael Frenz hätte die Stadt den Investor durchaus dazu verpflichten können, einen städtebaulichen Wettbewerb zu akzeptieren, weil für das Projekt ein bisher noch kommunales Grundstück in Anspruch genommen wird. Und dem Bauherrn schreibt Frenz ins Stammbuch: „Es hätte Kühne + Nagel gut angestanden, sich am Vorbild der Bremer Landesbank zu orientieren.“ Die hatte für ihren Neubau in der Altstadt aus freien Stücken einen Architektenwettbewerb akzeptiert.

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