Anna-Nicole Heinrich wird Präses

EKD-Synode wählt Studentin an die Spitze

Das Kirchenparlament der EKD hat die 25 Jahre alte Philosophiestudentin Anna-Nicole Heinrich zur neuen Präses gewählt. Heinrich ist damit Nachfolgerin der FDP-Politikerin Irmgard Schwaetzer.
09.05.2021, 05:00
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Von Benjamin Lassiwe
EKD-Synode wählt Studentin an die Spitze

Die Philosophiestudentin Anna-Nicole Heinrich ist bei der 13. Generalsynode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) auf einem Bildschirm zu sehen.

Jens Schulze/dpa

Es ist ein echter Paukenschlag: Auf ihrer im Internet stattfindenden Tagung hat die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die 25-jährige Regensburger Studentin Anna-Nicole Heinrich in das Amt der Präses gewählt. Sie folgt damit auf die 79-jährige frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer (FDP), die das einer Parlamentspräsidentin entsprechende höchste Laienamt des deutschen Protestantismus seit 2013 innehatte und der neuen Synode nicht mehr angehört.

Als Jungdelegierte gehörte sie dem Kirchenparlament an

"Wie verdammt mutig ist eine Kirche, die eine junge Frau in so ein Amt wählt“, sagte Heinrich selbst vor Journalisten nach ihrer Wahl. Tatsächlich allerdings hatte die Regensburgerin bereits reichlich Gelegenheiten, die EKD von ihren Fähigkeiten zu überzeugen: Schon in der vergangenen Legislaturperiode der Synode gehörte sie als Jugenddelegierte ohne Stimmrecht dem Kirchenparlament an. Und es ist maßgeblich auf den Einsatz Heinrichs und der übrigen Jugenddelegierten zurückzuführen, dass es dieses Amt heute nicht mehr gibt: Aus den Jugenddelegierten wurden reguläre Synodale. Mehr als 20 der 126 Kirchenparlamentarier sind heute unter 27 Jahre alt.

Engagiert war Heinrich in der vergangenen Legislaturperiode im Z-Team, das das jüngste Zukunftspapier der EKD entwickelte. Zudem ist sie ein „digital native“: Die Regensburgerin organisierte einen „Hackathon“, oder wie es der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ausdrückte, einen „digitalen Ideenwettbewerb“ zur Zukunft der Kirche. Und noch etwas ist bemerkenswert: Aufgewachsen ist Heinrich in einer nicht-christlichen Familie, die nach der Wende von Thüringen nach Bayern gezogen war. Zum Glauben kam sie durch den Religionsunterricht an der Grundschule, als Kind ließ sie sich aus eigener Entscheidung taufen. „Meine Mutter hat sich damals mittaufen lassen, aber nie wirklich Halt gefunden“, sagt Heinrich. Ältere Gemeindemitglieder hätten sie damals zum Gottesdienst abgeholt, über die Jugendarbeit sei sie in die Kirche hineingewachsen.

Deutliche Meherheit bei der Wahl

Mit der durch eine deutliche Mehrheit von 75 von 126 abgegebenen Stimmen zustande gekommenen Wahl von Heinrich lässt sich die EKD trotzdem auf ein gewisses Wagnis ein. In der Vergangenheit waren es vor allem Politikerinnen und Politiker, die von der Synode, dem Kirchenparlament der EKD, in das Amt des oder der Präses gewählt wurden. Vor Schwaetzer waren das etwa die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, oder der frühere Bundesminister Jürgen Schmude. Von ihrer öffentlichen Bekanntheit konnte die Kirche profitieren. Zudem brachten sie ihre politische Erfahrung mit, wenn es darum ging, etwa die Anliegen der Synode im Rat der EKD, dem die Präses angehört, zu vertreten. Heinrich dagegen verdient sich das Geld für ihr Studium mit einer 20-Stunden-Stelle als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl für katholische Theologie in Regensburg.

Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm zeigte sich begeistert. „Anna-Nicole Heinrich gehört zu den jungen Menschen, die konstruktive und wirklich frischen Wind in die Kirche bringende Impulse hatten“, sagte Bedford-Strohm. „Es ist genau der Geist, den ich mir für die Zukunft vorstelle, dass heute eine 25-Jährige zur Präses der Synode gewählt worden ist.“

Bedford-Strohm hält Ratsbericht

Zuvor hatte Bedford-Strohm seinen turnusgemäßen Ratsbericht gehalten. Darin äußerte er sich etwa zur aktuellen Debatte um die Suizidassistenz. „Als Kirche begleiten wir Sterbende auf ihrem letzten Weg unabhängig davon, wie dieser aussieht“, sagte Bedford-Strohm. „Eine kirchlich-diakonische Einrichtung sollte sich aber nicht selbst an der Organisation und Durchführung der Suizidassistenz beteiligen.“ Die Kirche müsse für die Ermöglichung des Lebens stehen. „Profilieren muss sie sich durch liebevolle Begleitung, optimale palliative Fürsorge und gute Seelsorge, nicht aber durch Sterbehilfe!“ Beim Thema sexueller Missbrauch zeigte der Ratsvorsitzende zudem „ausdrückliche Offenheit“ für eine staatliche „Enquete-Kommission“ zu diesem Thema und kündigte an, mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung zu einer Vereinbarung zum weiteren Vorgehen bei der Aufarbeitung kommen zu wollen.

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