Ende des Lockdowns Johnsons Weg in die Freiheit

Die Erfolge bei der Impfkampagne verschaffen der Regierung in London viel Rückenwind. Nun will sie den vom Lockdown erschöpften Menschen eine Perspektive geben.
22.02.2021, 20:30
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Johnsons Weg in die Freiheit
Von Katrin Pribyl

London. Premierminister Boris Johnson wandte sich erst am Montagabend per Rede ans Volk, um seinen Fahrplan für einen Ausstieg aus dem Lockdown zu erklären. Doch etliche Details waren mit freundlicher Hilfe aus der Downing Street schon am Sonntagabend durchgesickert. Und so versprühten die Zeitungen am Montag auf ihren Titelseiten bereits Hoffnung auf Lockerungen.

„March to Freedom“, hieß es bei der Boulevardzeitung „The Sun“, im März also beginnt der Weg in die Freiheit. Tatsächlich werden ab dann nach vielen Wochen des harten Lockdowns manche Beschränkungen aufgehoben, auch weil die Infektionszahlen sinken und das Impfprogramm erfolgreich läuft. Bis zum 15. April etwa sollen im Königreich alle Erwachsenen über 50 Jahre zumindest ihre erste Dosis gegen das Coronavirus erhalten haben. Rund 18 Millionen Menschen hatten bis Montag ihre erste Impfung verabreicht bekommen, das ist ein Drittel aller Erwachsenen.

Die Regierung reagiert auf die positiven Nachrichten mit schrittweisen Lockerungen. Laut Johnsons Ausstiegsplan unter dem Motto „Vorsichtig, aber unwiderruflich“ öffnen ab 8. März alle Schulen in England wieder, auch wenn die Lehrergewerkschaften Bedenken äußern. „Unsere Priorität ist es immer gewesen, Kinder zurück in die Schule zu bringen, da dies entscheidend für ihre Bildung und ihre mentale und körperliche Gesundheit ist“, sagte Johnson.

Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen dürfen ab dem 8. März einen ausgewählten Freund oder Verwandten empfangen. Wieder gestattet ist zudem, dass sich etwa zwei Freunde im Park auf einer Bank auf einen Kaffee oder zum Picknick treffen, aber dies ist auf draußen beschränkt. Erst zum Start der Osterferien am 29. März werden – im Freien – wieder Zusammenkünfte von bis zu sechs Menschen erlaubt sein. Auch Outdoor-Sport wie Tennis, Fußball oder Golf sind in dieser zweiten Phase der Exitstrategie aufgelistet.

Bars, Pubs, Restaurants, Friseure, Beauty-Salons und Läden, die nicht essenzielle Dinge verkaufen, bleiben vorerst geschlossen. Sie könnten eingeschränkt im April wieder öffnen, wie es heißt, doch nur nach Auswertung der Ergebnisse aus der vorherigen Phase und bei einem positiven Verlauf. In der Gastronomie würde das bedeuten, dass nur draußen bewirtet werden kann. Die komplette Wiedereröffnung von Bars, Pubs und Restaurants sowie Geschäften außerhalb des täglichen Bedarfs könnte, so deutet der Plan an, bis zum Mai dauern. Und nach jetzigem Stand wären Zusammenkünfte in geschlossenen Räumen von bis zu sechs Menschen erst im Juni, der letzten Phase in Johnsons Konzept, wieder gestattet. Ab Juli könnte für die Briten wieder Urlaub im Ausland möglich sein.

Kritik am Plan kam vor allem aus Johnsons eigenen konservativen Reihen. Die Beschränkungen beizubehalten, weil „in Zukunft vielleicht eine neue Mutante auftauchen könnte“ sei „ein Rezept dafür, das Land nie zu öffnen“, monierte der Tory-Abgeordnete Mark Harper. Mit dem vergleichsweise zögerlichen Vorgehen will die britische Regierung vermeiden, dass die Infektionszahlen wieder so steigen, dass ein vierter Lockdown notwendig wird.

Das Königreich gehört mit mehr als 120.000 Covid-Toten zu den am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Ländern der Welt. Die Wirtschaft liegt am Boden, auch weil das Land zusammengerechnet sieben der vergangenen elf Monate in einem strikten nationalen Lockdown verbracht hat.

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