Kommentar über den Verdi-Kongress

Ende einer Ära

Als Frank Bsirske 2001 Verdi übernahm, hatten Gewerkschaften das Image eines politischen Dinosauriers, dessen Ende gekommen sei. Das dem nicht so gekommen ist, ist auch sein Verdienst, meint Norbert Holst.
22.09.2019, 20:40
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Ende einer Ära
Von Norbert Holst
Ende einer Ära

Hört nach 18 Jahren an der Verdi-Spitze auf: Gewerkschaftsboss Frank Bsirske.

Britta Pedersen /dpa

Kampf, Konflikte, aber auch Kompromisse prägten Frank Bsirskes Zeit an der Spitze der Gemischtwaren-Gewerkschaft Verdi. Nach 18 Jahren trägt Deutschlands dienstältester Gewerkschaftsführer an diesem Montag auf dem Bundeskongress zum letzten Mal seinen Rechenschaftsbericht vor. Er hinterlässt eine Organisation, die gut aufgestellt ist, aber auch vor großen Herausforderungen steht.

Als Bsirske 2001 die Führung der damals neu gegründeten Dachgewerkschaft übernahm, wehte ihr ein eisiger Wind entgegen. Die Mitgliederzahlen erodierten, die Organisationen bekamen im Osten kein Bein auf den Boden, die Zersplitterung schwächte sie in Arbeitskämpfen. Die Gewerkschaften hatten das Image eine politischen Dinosauriers, dessen Ende gekommen schien.

Das es nicht soweit gekommen ist, ist auch ein Verdienst Bsirskes. Er hat die divergierenden Kräfte in seinem Laden zusammengehalten, konnte vor allem in den vergangenen Jahren bemerkenswerte Lohnzuwächse herausholen, ohne Verdi gäbe es keinen flächendeckenden Mindestlohn. Doch Bsirske hat es Freund und Feind nicht immer leicht gemacht. Für die „FAZ“ war er „der letzte Hardliner“, tatsächlich sorgte Verdi mit wochenlangen Streiks in Kitas und an Flughäfen auch für viel Ärger.
Tarifflucht, Lohndumping, Online- und Homeoffice-Arbeit sind Herausforderungen, die nun auf den designierten Nachfolger Frank Werneke zukommen. Diese wichtigen Themen zeigen: Eine funktionierende Demokratie braucht starke Gewerkschaften.

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