Norbert Röttgen über Donald Trump "Er ist unberechenbar"

Seit gestern ist klar: Der nächste US-Präsident könnte Donald Trump heißen. Norbert Röttgen, Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses beantwortet, ob man sich nun Sorgen machen muss?
03.03.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Markus Decker

Seit gestern ist klar: Der nächste US-Präsident könnte Donald Trump heißen. Norbert Röttgen, Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses beantwortet, ob man sich nunr Sorgen machen muss?

Seit gestern ist klar: Der nächste US-Präsident könnte Donald Trump heißen. Müssen wir uns Sorgen machen?

Norbert Röttgen: Ja. Es wird Zeit, dass wir unsere europäische Brille ablegen, nach der Trump schon in der Republikanischen Partei nie eine Chance haben könnte. Seit gestern ist klar, dass es eher wahrscheinlich ist, dass er der Kandidat der Republikanischen Partei wird. Und er kann damit auch Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden. Darüber müssen wir höchst besorgt sein.

Warum genau müssen wir hier besorgt sein?

Trumps Persönlichkeit besteht aus Maßlosigkeit, Respektlosigkeit und Selbstbezüglichkeit. Seine Mittel, mit denen er Mehrheiten erwirbt, sind das Erzeugen von Angst, Wut und Hass. Außerdem befürwortet er Fremdenfeindlichkeit und Folter. So kann man der Verantwortung, die die USA in der Welt haben, in keiner Weise gerecht werden.

Hat er denn so etwas wie ein außenpolitisches Programm?

Nein. Und das ist bezeichnend. Trump ist in jeder Hinsicht völlig unerfahren. Es gibt überhaupt kein Programm. Außenpolitik spielt bei seiner Methode, die Mehrheit zu gewinnen, auch gar keine Rolle. Und nur darum geht es im Moment. Seine Einschätzung ist: Wenn ich die Ängste der Menschen ausdrücke und mir ihre Wut zu Eigen mache, dann ist das der Weg zur Mehrheit.

Haben Sie ein Gefühl dafür, was Trump von dem, was er so redet, tatsächlich umsetzen würde?

Trump ist in seiner Amtsführung nicht berechenbar. Aber man sollte ihn ernst nehmen – sozusagen sicherheitshalber. Und man sollte die Unterschätzung seiner Person nicht dadurch fortsetzen, dass man sagt, er wird es ja sowieso nicht machen. Das widerspricht übrigens auch jeder historischen Erfahrung mit solchen Menschen. Wenn er Präsident würde, dann würde er zudem auf eine Mehrheit der Republikaner in beiden Häusern des Kongresses treffen. Insofern hätte er erstmal eine exzellente Machtposition, um sich durchzusetzen.

Mit Trump setzt sich ein Politikstil durch, der auch in Europa immer mehr an Boden gewinnt: der Populismus. Wie erklären Sie sich das?

Ja, das ist unbestreitbar ein Phänomen in der ganzen westlichen Welt und offenkundig eine Gegenbewegung zur Globalisierung, die neue Ungleichheit schafft und ein neues Gefühl der Machtlosigkeit des einzelnen, sowie ein Identitätsbedürfnis weckt. Das sind die wesentlichen Ursachen. Diese Gegenbewegung hat den Gedanken aufgegeben, etwas verändern zu können. Sie erschöpft sich in der Wut. Dabei ist die Angstmache vor Fremden umso erfolgreicher dort, wo es wenige Fremde gibt. Es geht im Kern um die Abwehr der Globalisierung als einem relativ umfassenden Entgrenzungsprozess.

Und die USA sind der Vorreiter?

Viele Phänomene waren zuerst in den USA und sind dann auf Europa zurückgeschlagen. Auch das sollte uns eine Lehre sein darüber, was noch bevorstehen könnte. Wir haben eine Entwicklung hin zu den Extremen auf der linken und der rechten Seite, die sich dann auch wieder treffen und gar nicht groß unterscheiden.

Das Gespräch führte Markus Decker.

Zur Person:

Norbert Röttgen ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Der 50-jährige CDU-Politiker ist seit 1994 Mitglied des Bundestages. Von 2009 bis 2012 war der promivierte Jurist Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

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