Jonathan Kolschen engagiert sich für die EU

Er träumt vom Europa der Regionen

Bassum. Jonathan Kolschen ist ein Europäer durch und durch. Der Bassumer rührt die Werbetrommel für den Urnengang am 25. Mai. Die Sache hat nur einen Haken: sein Alter
16.05.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Er träumt vom Europa der Regionen
Von Christoph Starke

Jonathan Kolschen ist ein Europäer durch und durch. Der Bassumer engagiert sich nicht nur in der Europa-Union Deutschland, im Europawahl-Komitee, sondern auch im Freundeskreis europäischer Partner und rührt die Werbetrommel für den Urnengang am 25. Mai. Die Sache hat nur einen Haken: sein Alter

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Der Fluch der späten Geburt: Am 6. Juni feiert Jonathan Kolschen seinen 18. Geburtstag. 12 Tage zu spät. So darf der Bassumer bei der Europawahl am 25. Mai nicht sein Kreuzchen machen „Das ist auf jeden Fall schade“, bedauert der Oberstufenschüler des Syker Berufsgymnasiums. Denn der junge Mann setzt sich sehr für die europäische Idee ein. Er ist Mitglied im Diepholzer Kreisverband der Europa-Union Deutschland und engagiert sich im Europawahl-Komitee.

Wann ihm das erste Mal bewusst wurde, dass er Europäer ist, kann er gar nicht sagen. „Es war ein Prozess“, hält Jonathan Kolschen fest. Aber durch den Schüleraustausch mit dem französischen Fresnay und weitere Reisen in Bassums Partnerstadt oder ins befreundete Spilsby nach Großbritannien, sei ihm eins bewusst geworden: „Die Leute denken genauso wie wir. Es gibt überhaupt keinen Grund, dass wir von Staats wegen getrennt sind. Mir ist bewusst geworden, dass Nationalstaatlichkeit Unsinn ist.“ Die Arbeit in der Bassumer SPD, der er seit knapp vier Jahren angehöre, tat ihr Übriges.

Freiheit, Frieden, Fortschritt – diese drei Fs bedeuten Europa für Jonathan Kolschen. Der Prozess der europäischen Einigung hätte die Feindschaften zwischen West- und Osteuropa beendet, Europa bietet die Chance eines sozialen Lebensraums. Darüber hinaus könne die EU Vorbildcharakter für andere Regionen der Erde haben. Gleichzeitig hofft der 17-Jährige, dass Themen wie Jugendarbeitslosigkeit und Mindestlohn in Europa gemeinsam angegangen werden.

In seinem Freundeskreis befinde er sich mit seinem Engagement allein auf weiter Flur. „Ich bin der einzige, der sich politisch engagiert.“ Zwar rühre er die Werbetrommel für Europa, „aber so richtig erfolgreich bin ich nicht“, gesteht er ein.

Den europäischen Gedanken lebt er zum Beispiel durch Verbindungen zu Frankreich, steht in Kontakt mit den Sozialisten in Fresnay und mit Pascal Dennebouy, dem ehemaligen Präsidenten des Partnerschaftskomitees der befreundeten Kommune. Er ist auch Mitglied im Bassumer Freundeskreis europäischer Partner. In Zukunft will er neben Frankreich und Großbritannien noch viele andere Regionen Europas bereisen: „Italien wäre interessant, das spanische Festland oder Südfrankreich im Kontrast zu Fresnay.“

Unwissenheit sei der Grund, warum Europa ein zu schlechtes Image habe, glaubt der Bassumer. Obwohl er durchaus Defizite sieht. Das Europäische Parlament habe seiner Meinung nach zu wenig Einfluss: „Ich würde es so stark machen wie den Bundestag.“ Sein Traum ist ein föderales Europa, aber kein Europa der Staaten, sondern ein Europa der Regionen. „Denn die Regionen sind näher am Bürger dran“, findet er. Die Türkei bezeichnet er zurzeit nicht als beitrittsreif. „Mittelfristig sehe ich die Balkanstaaten als Beitrittskandidaten“, sagt er. Generell solle man die Grenze dort ziehen, wo die nächste Union beginnt. Afrikanische Staaten sollten nicht aufgenommen werden, schließlich gebe es die Afrikanische Union. „Russland ist zu groß, ist praktisch schon eine eigene politische Einheit.“ Armenien und Georgien seien dagegen geeignet. Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA lehnt er nicht kategorisch ab, aber: „Ich finde, dass man so kein Abkommen schließen darf. Nicht mal das Mandat ist öffentlich.“

Natürlich gibt es auch Bürokratie in der Europäischen Union, gesteht der 17-Jährige ein, aber gerade in Sache Gurkennorm schiebt er nicht der EU die Schuld in die Schuhe. „Das wollten die deutschen Produzenten, damit sie die Gurken besser transportieren können“, erzählt er. Er hofft, dass die bürokratischen Missstände abgebaut werden. „Aber wir Deutschen sollten uns nicht beschweren. Wir sind die größten Bürokraten in Europa.“

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