Unabhängige erobern drei Sitze im Gemeinderat Lemwerder / Erdrutschartige Verluste für die SPD

Erfolg für Wählergemeinschaft

Lemwerder. Der Absturz der Lemwerderaner Sozialdemokraten bei der Gemeinderatswahl ist nicht überraschend gekommen, dennoch hat die Wucht in der SPD für Ernüchterung gesorgt. „Das ist schon erdrutschhaft“, stellte Fraktionschef Meinrad-M.
12.09.2016, 00:00
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Erfolg für Wählergemeinschaft
Von Barbara Wenke
Erfolg für Wählergemeinschaft

Freute sich über den Erfolg der Unabhängigen Wähler Lemwerder: Spitzenkandidat Sven Schröder. Die UWL erzielte bei ihrer ersten Kandidatur in der südlichsten Wesermarschgemeinde mehr als 15 Prozent.

Christian Kosak

Lemwerder. Der Absturz der Lemwerderaner Sozialdemokraten bei der Gemeinderatswahl ist nicht überraschend gekommen, dennoch hat die Wucht in der SPD für Ernüchterung gesorgt. „Das ist schon erdrutschhaft“, stellte Fraktionschef Meinrad-M. Rohde fest. „Von elf auf sieben Sitze runter, das ist viel.“ Wahlgewinner sind die Unabhängigen Wähler Lemwerder (UWL), die aus dem Stand drei Sitze im neuen Gemeinderat ergatterten.

Zu den Verlierern zählen neben den Sozialdemokraten die Grünen. Die SPD hatte bei der Gemeinderatswahl 2011 mit 55,12 Prozent noch die absolute Mehrheit gewonnen. Auch 2016 avancierten die Sozialdemokraten zur stärksten Partei, müssen sich aber mit 38,81 Prozent begnügen. Die Wahlbeteiligung in Lemwerder betrug am Sonntag 55,77 Prozent. Die Grünen, die vor fünf Jahren noch 11,61 Prozent erzielten, stürzten auf 7,67 Prozent ab und erhalten im neuen Gemeinderat, der im November vereidigt wird, nur noch einen statt bislang zwei Mandate.

Dabei sah es am Sonntagabend für die Grünen lange danach aus, dass sie ihre beiden Sitze halten könnten. Erst mit dem achten von neun ausgezählten Wahlbezirken wendete sich das Blatt. Der Sitz ging an die UWL über. Statt der erhofften zwei ziehen die Unabhängigen Wähler bei ihrem ersten Wahlauftritt in Lemwerder mit drei Personen in den Gemeinderat ein. „Toll“, lautete Sven Schröders kurzes Fazit während der Stimmenauszählung. Die Wählervereinigung hatte sich erst im Juni gegründet. Sie wendet sich insbesondere gegen den Bau einer neuen Ortsumgehung, die Osttangente. Zehn Prozent hatte sich Schröder erhofft, dass es letztlich mehr als 15 Prozent geworden sind, freute ihn diebisch.

Bereits bei der Bekanntgabe des dritten Stimmbezirks war Jubel unter den UWL-Mitgliedern ausgebrochen, die die Stimmauszählung ebenso wie die anderen Parteien im Rathaus verfolgten. Mehr als 60 Personen hatten sich eingefunden, um schnellstmöglich über die Zusammensetzung des nächsten Lemwerderaner Gemeinderates informiert zu werden.

Zweiter Wahlgewinner des Abends ist die CDU. Zwischenzeitlich schien sie mit der SPD sogar auf Augenhöhe zu sein. Nach der Auszählung von sechs der neun Wahlbezirke gingen fünf Sitze auf ihr Konto, sechs auf das der Sozialdemokraten. Letztlich ergab die Auswertung 22,69 Prozent für die Christdemokraten, die in allen Wahlbezirken zulegen konnten. Ihr Anteil am zukünftig 18-köpfigen Gemeinderat beträgt vier Sitze. „Es hat sich bestätigt, dass es gut war, zu schwierigen Themen wie der Osttangente den Dialog mit den Bürgern zu suchen“, nennt Partei- und Fraktionschef Wolf Rosenhagen einen Grund des Erfolgs.

Auch die Liberalen sehen sich als Sieger. „Wir haben unser Wahlziel erreicht“, bilanziert Spitzenkandidat Harald Schöne. „Wir wollten auch im verkleinerten Gemeinderat mindestens drei Mandate erhalten.“ Gegenüber der letzten Kommunalwahl legte die FDP um knapp einen Prozentpunkt auf 15,66 Prozent zu. SPD-Spitzenkandidat Meinrad-M. Rohde sieht zwei Gründe für den Absturz seiner Partei. „Die SPD hatte es dieses Mal schwer, weil mit der UWL eine neue Wählergemeinschaft an den Start gegangen ist, und weil alle anderen gezielt gegen die absolute Mehrheit gekämpft haben.“

Bereits am Wahlabend schweiften Rohdes Gedanken in die Zukunft. „Wir müssen jetzt überlegen, wie es weitergehen soll, ob wir eine Mehrheitsgruppe bilden oder ob man Mehrheiten zu den jeweiligen Themen sucht.“ Als Erstes müsse erörtert werden, ob die jeweiligen Programme zueinander passen.

Eine Mehrheitsgruppe wie auf Landkreisbasis, bei der einzelne Themen von vornherein ausgeschlossen wurden, funktioniere auf Gemeindeebene nicht, ist Meinrad-M. Rohde überzeugt. Die von SPD und Grünen im Kreistag gebildete Mehrheitsgruppe hatte sich darauf verständigt, Themen wie die A 20 und die Weservertiefung nicht zu behandeln.

„Die SPD hatte es schwer, weil alle gegen die absolute Mehrheit gekämpft haben.“ Meinrad-M. Rohde
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