Nach den Schlag gegen den IS-Chef

Erfolgreicher Einsatz trotz Trump

Als erster US-Präsident seit 18 Jahren besucht der US-Präsident ein Baseball-Spiel der World Series. Das Publikum beim Heimspiel in Washington bereitet ihm keinen herzlichen Empfang - im Gegenteil.
28.10.2019, 19:06
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Erfolgreicher Einsatz trotz Trump
Von Thomas Spang
Erfolgreicher Einsatz trotz Trump

Donald Trump kam mit einem Hochgefühl ins Baseball-Stadion – und wurde gnadenlos ausgebuht.

ROBERTS/Reuters

Es dauerte bis zum dritten Spielabschnitt zwischen den Washington Nationals und den Astros aus Houston in der Finalserie der nordamerikanischen Baseball-Liga MLS, ehe der Stadionsprecher den Ehrengast erwähnte. Als die Anzeigetafel dann Bilder aus der VIP-Loge mit Präsident Donald Trump und First Lady Melania zeigte, buhte das Publikum lautstark. Protestierer entrollten ein „Impeach Trump!“-Banner, während von den Rängen „Sperrt ihn ein“-Rufe kamen. So hatte sich der US-Präsident seinen Auftritt am Ende des Sonntags, an dem er den Tod des meistgesuchten Terroristen der Welt verkündet hatte, gewiss nicht vorgestellt. Die Reaktion im Stadion korrespondiert mit dem verhaltenen Echo auf den nächtlichen Geheimeinsatz gegen den IS-Chef Abu Bakr Al-Bagdadi in der syrischen Provinz Idlib.

„Die Ironie besteht darin, dass die erfolgreiche Operation gegen Al-Bagdadi ohne die nun abgezogenen US-Streitkräfte, die Hilfe der betrogenen Kurden in Syrien und unsere so oft herabgewürdigten Geheimdienste niemals möglich gewesen wäre“, fasste der Präsident des renommierten Council on Foreign Relations, Richard Haas, den überwiegend kritischen Tenor der Analysten zusammen. „Die Bedingungen, die diesen Erfolg möglich gemacht haben, bestehen in der Zukunft nicht mehr.“

Die „New York Times“ berichtete, der CIA habe den entscheidenden Hinweis auf den Aufenthalt Al-Bagdadis im Sommer von einer seiner verhafteten Ehefrauen erhalten. Kurdische und irakische Geheimdienstler hätten die Angaben verifiziert und mit Spionen geholfen, die Bewegungen des Terroristenführers zu verfolgen. Mindestens zweimal seien geplante Einsätze der Delta Forces abgesagt worden. Trumps abrupte Entscheidung, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen, habe das Pentagon gezwungen, die peniblen Planungen zugunsten eines riskanten Nachteinsatzes aufzugeben. Bei den Spezialstreitkräften habe die Sorge bestanden, andernfalls sehr bald die Kapazitäten zu verlieren, eine solche Aktion auszuführen.

Verteidigungsminister Mark Esper bestätigte diese Einschätzung indirekt. Demnach gab der Präsident am Freitag grünes Licht für den gefährlichen Einsatz tief in einer von Al-Kaida-Gruppen kontrollierten Region. Esper sagte auf Nachfragen von Reportern, er wisse nicht, ob der Schlag gegen das Versteck Al-Bagdadis nach dem Abzug der Truppen möglich gewesen wäre. „Da muss ich mit meinen Kommandeuren drüber sprechen.“ Esper hielt sich auch zurück, die epischen Schilderungen Trumps über das Ende des Terroristenführers zu bestätigen. Er könne nicht sagen, ob Al-Bagdadi in dem Tunnel „geweint“ und „gewimmert“ habe.

Als Übertreibung wird auch die Aussage des Präsidenten gewertet, das IS-Kalifat sei „zu 100 Prozent ausgelöscht“ worden. Während die Konsequenzen für die kurzfristige Handlungsfähigkeit der Terrororganisation unterschiedlich bewertet wurden, stimmten die meisten Experten mit der mittelfristigen Einschätzung des früheren Nato-Oberkommandeurs James Stavridis überein. „Wir sind noch nicht fertig mit dem IS.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+