Angriff mit einem Spaten

Ermittler sehen Angriff vor Hamburger Synagoge als versuchten Mord

Ein Mann im Tarnanzug greift mit einem Spaten einen jüdischen Studenten vor der Hamburger Synagoge an. Der 29-Jährige soll einen Zettel mit Hakenkreuz bei sich getragen haben und wirkt verwirrt. Die Polizei wertet die Tat als versuchten Mord.
05.10.2020, 05:17
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Ermittler sehen Angriff vor Hamburger Synagoge als versuchten Mord

Passanten haben Blumen vor dem Eingangsbereich der Hamburger Synagoge abgelegt. Foto: Jonas Walzberg/dpa

Jonas Walzberg / dpa

Polizei und Generalstaatsanwaltschaft werten den Angriff auf einen jüdischen Studenten vor einer Hamburger Synagoge nach ersten Erkenntnissen als versuchten Mord - mutmaßlich mit antisemitischem Hintergrund. Das teilten beide Behörden am Montag in Hamburg mit.

Der Angreifer - ein Deutscher aus Berlin mit kasachischen Wurzeln - mache einen „extrem verwirrten Eindruck“, sagte eine Polizeisprecherin. Es sei sehr schwierig, ihn zu vernehmen. Es sei unklar, woher der Mann die militärisch wirkende Kleidung habe, die er bei der Tat mit einem Klappspaten am Sonntagnachmittag trug. Die Ermittlungen dauerten an, auch der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

Die Gemeinde wollte laut Polizei am Sonntag das Laubhüttenfest Sukkot feiern. Auch das 26 Jahre alte Opfer sei auf dem Weg dorthin gewesen und habe das Gelände gerade betreten wollen. Der 29 Jahre alte Tatverdächtige habe dort offensichtlich gewartet, sagte die Sprecherin.

Der 26-Jährige erlitt Kopfverletzungen, ist aber nicht lebensgefährlich verletzt. Er konnte sich den Angaben zufolge in Sicherheit bringen und wurde bis zum Eintreffen von Rettungskräften von Passanten erstversorgt. Beamte, die zum Schutz der Synagoge vor Ort waren und den Vorfall beobachteten, hätten den Angreifer festgenommen. Er hat laut Polizei seinen Wohnsitz in Berlin.

Außenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die Attacke scharf. „Das ist kein Einzelfall, das ist widerlicher Antisemitismus und dem müssen wir uns alle entgegenstellen“, schrieb Maas am Sonntagabend auf Twitter. „Meine Gedanken sind bei dem Studenten, ich wünsche gute Genesung.“ Nach dpa-Informationen soll der Täter einen Zettel mit einem Hakenkreuz in seiner Hosentasche gehabt haben.

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Der Zentralrat der Juden mahnt angesichts des Angriffs vor einer Hamburger Synagoge zum Eintreten gegen Antisemitismus. „Die Situation, dass Juden in Deutschland vermehrt zur Zielscheibe von Hass werden, darf niemanden in einem demokratischen Rechtsstaat wie Deutschland kalt lassen“, erklärte Präsident Josef Schuster am Montag in Berlin. „Wir erwarten von der gesamten Gesellschaft, dem Hass gegen Juden entschieden entgegenzutreten - im Sinne unserer Demokratie, unserer Freiheit und damit jüdisches Leben uneingeschränkt in Deutschland möglich ist.“

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erklärte: „Ich bin bestürzt über den Angriff vor einer Synagoge in Hamburg.“ Die Polizei kläre nun die Hintergründe der Tat auf. „Ich wünsche dem Opfer viel Kraft und baldige Genesung. Hamburg steht fest an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger.“ (dpa)

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