Gastbeitrag über die Vekehrswende Es braucht Kontinuität und Verlässlichkeit

Damit ein Umbruch in Sachen Mobilität geschieht, bedarf es einer vorausschauenden Verkehrspolitik mit verlässlichen Zusagen für die Bahn und ihre Zulieferer, fordert Gastautor Karl-Peter Naumann von Pro Bahn.
21.06.2019, 16:42
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Von Karl-Peter Naumann

Zur Klimawende gehört auch eine Verkehrswende. Das heißt neben mehr Radverkehr auf kürzeren Strecken vor allem mehr Bahnverkehr – und zwar elektrischen für Personen und Güter. Ein Blick um Bremen herum zeigt Strecken wie Bremerhaven-Cuxhaven, Bremerhaven-Bremervörde-Rotenburg oder Oldenburg-Osnabrück, den Abschnitt nach Thedighausen und die „Amerika-Linie“ über Soltau nach Uelzen. Da ist noch viel zu tun, wenn wir eine wirkliche Verkehrswende wollen.

Wir müssen jetzt anfangen. Für die Verkehrspolitiker heißt das, Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, um eine ökologisch sinnvolle Strategie zu fördern. Eines ist klar: Von heute auf morgen geht das nicht, es braucht schon einen etwas längeren Atem, Gelder müssen dann auch kontinuierlich fließen. Jedem ist klar, es nützt keinem, wenn man zum Beispiel nur von Bremen bis Soltau elektrisch fahren kann, dann aber nicht weiter nach Uelzen zum Anschluss an den Ostkorridor.

Kein Verkehrsunternehmen im Güterverkehr würde für die halbe Strecke eine E-Lok einsetzen. Die Baumaßnahmen dauern sicher deutlich länger als eine Legislaturperiode. Es ist unabdingbar, dass die Finanzierung für das gesamte Projekt heute festgelegt und nicht von Legislatur zu Legislatur verändert wird.

Auch die Bahn-Baufirmen müssen sich auf die Kontinuität verlassen können. Sie investieren ganz gewiss nicht in Personal und Maschinen, wenn mal und mal nicht investiert wird. Wir haben in der Vergangenheit erleben können, dass diese hochspezialisierten Firmen Stellen abgebaut haben, weil sie in naher Zukunft mit weniger Aufträgen rechnen mussten, da die Politik weniger Geld in die Schiene stecken wollte. Eine Spezialmaschine für den Gleisbau kann man eben nur für den Gleisbau einsetzen und nicht für den Hausbau. Nur eine verlässliche Kontinuität führt zu hochqualifizierten Arbeitsplätzen und Investitionen.

Was für den Gleisbau geschildert wurde, gilt ganz genau so für den Bau und die Wartung von Schienenfahrzeugen. So leidet das DB Werk in Sebaldsbrück auch unter einer fehlenden auf Wachstum gerichteten Perspektive. Eine attraktive Bahn braucht neue und komfortable Fahrzeuge, die dann wieder für mehr Arbeitsplätze für Sebaldsbrück sorgen.

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Ohne Perspektive wird der Abbau von Arbeitsplätzen in der Schienenfahrzeugbranche weitergehen. Wollen wir, dass künftig die Fahrzeuge nur noch aus China kommen? Ohne Kontinuität und Verlässlichkeit bei der Weiterentwicklung des Systems Eisenbahn, werden wir die Verkehrswende nicht schaffen. Die Schweiz hat mit ihrem Plan 2000 gezeigt wie es gehen kann.

Info

Zur Person

Unser Gastautor Karl-Peter Naumann ist seit 2012 Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. Zuvor war der 68-Jährige 16 Jahre lang Vorsitzender des Verbands. Sein Geld verdiente er in der Pharmazie.

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