Interview mit Ulrich Hoppe Es wäre eine Katastrophe

Die Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer in London unterstützt deutsche und britische Unternehmen bei Geschäften im jeweils anderen Land. Über das Referendum in Schottland und die möglichen Folgen sprach Nikolai Fritzsche mit ihrem Geschäftsführer Ulrich Hoppe.
18.09.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Die Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer in London unterstützt deutsche und britische Unternehmen bei Geschäften im jeweils anderen Land. Über das Referendum in Schottland und die möglichen Folgen sprach Nikolai Fritzsche mit ihrem Geschäftsführer Ulrich Hoppe.

Herr Hoppe, mit welchem Ausgang des Referendums rechnen Sie?

Ulrich Hoppe: Ich erwarte eine knappe Entscheidung für den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich. Es steht auf Messers Schneide, aber ich denke, dass die 15 bis 20 Prozent Unentschlossenen eher den Status quo wählen werden. Das ist aber nur eine gefühlsmäßige Einordnung.

Und welchen Ausgang wünschen Sie sich?

Ich hoffe, dass das Vereinigte Königreich zusammenbleibt.

Was würde eine Abspaltung Schottlands für die deutsch-britischen Wirtschaftsbeziehungen bedeuten?

Deutsche Unternehmen würden weiterhin den Markt in Schottland bedienen wollen. Das könnte aufgrund der administrativen und regulativen Umstellung aber deutlich komplizierter werden. Darüber hinaus herrscht Unsicherheit, was die Frage nach der Währung und nach der EU-Mitgliedschaft eines unabhängigen schottischen Staates betrifft.

Einige schottische Großunternehmen wie die Royal Bank of Scotland haben für den Fall einer Abspaltung Ihren Umzug nach London angekündigt. Erklären Sie uns die Gründe und die möglichen Folgen.

Schottland will sich nach einer Abspaltung vorerst an das britische Pfund ankoppeln und keine eigene Zentralbank gründen. Dann müssten schottische Banken nach London abwandern, damit im Notfall die Bank of England für sie einspringen kann. Da der Finanzsektor in Schottland im Vergleich zur Realwirtschaft noch stärker überdimensioniert ist als im Rest des Königreichs, würde die Wirtschaft erheblich leiden, viele Arbeitsplätze wären verloren.

Wie beurteilen Sie die wirtschaftliche Lebensfähigkeit eines unabhängigen Schottlands?

Schottland ist eigenständig lebensfähig, würde über die nächsten zehn bis 15 Jahre aber wohl im Vergleich zum Rest des Königreichs abfallen. Wie sehr, hinge davon ab, wie viel Öl und Gas tatsächlich noch in der Nordsee liegt. Der Reichtum, den die Nationalisten versprechen, ist aber eine Utopie, denn im Gegenzug zu den Mehreinnahmen aus Öl und Gas blieben ja die öffentlichen Zuweisungen aus London aus.

Sie erleben das Königreich seit 16 Jahren aus der Innensicht. Wäre ein „Yes“ eine Katastrophe?

Unter politischen Gesichtspunkten wäre es eine Katastrophe. Ein Land würde auseinanderbrechen, eine Identität zerfallen. Es gibt keinen echten Plan für den Fall einer Entscheidung für die Unabhängigkeit, weder in London, noch in Edinburgh. Schottland und England sind so eng miteinander verzahnt, dass eine Trennung einem Scheidungsprozess gleichkäme.

Zur Person

Ulrich Hoppe, Jahrgang 1964, studierte in Bremen, Leeds und Reading Betriebswirtschaft. Seit 1998 ist er Geschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer in London.

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