Ivan Rogers sorgt für Paukenschlag EU-Botschafter tritt zurück

London. Überbringer unangenehmer Botschaften haben seit jeher einen schweren Stand. Das bekam in den vergangenen Monaten auch Großbritanniens EU-Botschafter Sir Ivan Rogers zu spüren, der nach dem Brexit-Votum für viele EU-Gegner nicht genügend Optimismus verbreitet habe.
05.01.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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EU-Botschafter tritt zurück
Von Katrin Pribyl

London. Überbringer unangenehmer Botschaften haben seit jeher einen schweren Stand. Das bekam in den vergangenen Monaten auch Großbritanniens EU-Botschafter Sir Ivan Rogers zu spüren, der nach dem Brexit-Votum für viele EU-Gegner nicht genügend Optimismus verbreitet habe. Überraschend zog er nun seine Konsequenzen und gab seinen Posten in Brüssel auf. Der Rücktritt des erfahrensten EU-Kenners des Landes ist ein Paukenschlag und offenbart die Krise, in der London steckt.

Schon lange rumort es zwischen einigen der zur Neutralität verpflichteten Beamten und den konservativen Tories, die sich nicht auf eine Strategie für die Scheidung von Brüssel einigen können. Rogers kritisierte die Regierung nun scharf, was ungewöhnlich ist für einen Top-Diplomaten. Und so können seine Entscheidung und deren Folgen kaum überschätzt werden. Diese dürften vor allem für Premierministerin Theresa May bitter werden. Denn Rogers hinterlässt eine riesige Lücke im Team Großbritannien, die laut Insidern so schnell nicht zu schließen ist. So kennt er etwa die europäischen Partner in Brüssel, die bald auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sitzen werden, wie kein zweiter. Sein Entschluss stellt zudem May bloß: „Es zeigt, was wir alle schon wussten: Die Regierung hat keinen Plan“, sagte Jonathan Powell, Tony Blairs ehemaliger Stabchef.

Abgesehen von dem ungewöhnlichen Schritt, dass ein Botschafter überhaupt zurücktritt, sorgte der Zeitpunkt für Verwunderung. Nur wenige Wochen vor dem geplanten Beginn des Austrittsprozederes gibt der Chefdiplomat auf, der seit sechs Jahren die britische Europapolitik gestaltet hat. Am späten Dienstagabend fand dann eine Abschiedsmail von Rogers an seine Mitarbeiter wohl nicht ganz zufällig ihren Weg an die Öffentlichkeit. Und in der kritisiert er unverblümt das Fehlen einer Strategie seiner Regierung für den anstehenden Austritts-Prozess. In London sei „ernsthafte Erfahrung bei multilateralen Verhandlungen Mangelware“.

Aus Rogers‘ Worten ist viel Frustration herauszulesen, insbesondere über jene Politiker, die seine Warnungen über mögliche Fallstricke bei der Scheidung von der Gemeinschaft als Schwarzmalerei abtaten. Minister, die über die Positionen Großbritanniens entscheiden, bräuchten ein „detailliertes, ungeschminktes – selbst wenn das unangenehm ist – und nuanciertes Verständnis der Sichtweisen, Interessen und Antriebe der anderen 27 (EU-Staaten)“. In dem Brief schreibt Rogers, er hoffe, die Mitarbeiter der Vertretung in Brüssel würden ­weiterhin „schlecht begründete Standpunkte und konfuses Denken“ infrage stellen. Das ist eine schallende Ohrfeige an all jene begeisterten Brexiteers, die seit Monaten das Votum feiern und meinen, die Union würde ihnen ein Freihandelsabkommen à la carte servieren. Doch wie gewohnt verschlossen die EU-Gegner auf der Insel Augen und Ohren.

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