Federball für Anfänger

Frank Büter
02.08.2012, 05:00
Lesedauer: 1 Min
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Frank Büter

über den Badminton-Skandal

Die Olympischen Spiele von London haben ihren ersten Eklat. Der Badminton-Weltverband hat gestern acht Spielerinnen aus China, Südkorea und Indonesien disqualifiziert. Der Vorwurf: Sie sollen in der Doppelkonkurrenz aus taktischen Gründen Vorrundenspiele manipuliert haben, um in der anstehenden K.o.-Runde schwereren Gegnern aus dem Weg zu gehen. Das chinesische Doppel Wang Xiaoli und Yu Yang, Nummer eins der Setzliste, hatte dabei am Dienstagabend sogar ganz offensichtlich absichtlich verloren. Statt Badminton der Extraklasse wurde den Zuschauern Federball für Anfänger geboten. Allein im ersten Satz hatte das Duo neun Aufschläge ins Netz oder ins Aus gespielt, der längste Ballwechsel in diesem ersten Durchgang dauerte vier Schläge. Und selbst nach einer Ermahnung durch den Schiedsrichter wurde das Niveau nicht wesentlich besser, das Kalkül behielt die Oberhand.

Ein Verhalten, das der Weltverband mit der Disqualifikation drakonisch bestrafte. Denn absichtlich verlieren ist bei Olympia verboten. Nach Ansicht des Weltverbandes widerspricht es dem Fair-Play-Gedanken, dem sich alle Athleten durch den olympischen Eid verpflichten. Die Disqualifikation der Spielerinnen ist von daher eine vertretbare Konsequenz.

Doch ein fader Beigeschmack bleibt. Denn der Weltverband selbst trägt eine Mitschuld, indem er kurz vor den Spielen den Modus geändert und diese Gruppenphase eingeführt hat. Seit Barcelona 1992 gehört Badminton zum olympischen Programm, bisher wurde stets im K.o.-System gespielt. Eine Gruppenphase aber – das hat der Blick auf andere Sportarten mit ähnlichem Modus gelehrt – eröffnet Aktiven und Mannschaften Raum zum Rechnen, zum Taktieren, zum Kräftesparen. Für das eine – und in vielen Nationen zudem noch finanziell sehr lukrative – große Ziel: eine olympische Medaille. Die disqualifizierten Badminton-Paare haben sicherlich gegen den "wahren Geist der Sportlichkeit", so heißt es im Athleten-Eid, verstoßen. Aber sie haben nicht manipuliert, sondern im Rahmen des Wettbewerbs "für den Ruhm des Sports und die Ehre unserer Mannschaften", so der Wortlaut weiter, lediglich den Gesamterfolg über den Erfolg eines einzelnen Doppelsieges gestellt. frank.bueter@weser-kurier.de

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