Kommentar über die FFP2-Maskenpflicht

So einfach ist das nicht

Es gibt einige gute Argumente, so wie Bayern auf die FFP2-Maskenpflicht umzusteigen. Doch die Art und Weise, wie sie verkündet wurde und umgesetzt werden soll, ist kontraproduktiv, meint Norbert Holst.
14.01.2021, 20:03
Lesedauer: 1 Min
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So einfach ist das nicht
Von Norbert Holst

Bayern prescht mal wieder vor: Ab Montag gilt in dem Bundesland die neue FFP2-Maskenpflicht beim Einkauf sowie in Bussen und Bahnen. Eine Anordnung, die auf den Blick sinnvoll scheinen mag. Doch wie so vieles, mit dem CSU-Ministerpräsident Markus Söder plötzlich um die Ecke kommt, wirkt die Maßnahme übers Knie gebrochen.

Möglicherweise wird Bremen diesem Beispiel folgen. Und sicherlich gibt es gute Gründe für Menschen, vom gebräuchlichen Mund-Nase-Schutz auf FFP2-Masken umzusteigen. Doch auch das ist nicht der von Söder propagierte Königsweg gegen das Coronavirus. So gibt es nach Angaben der Gesellschaft für Aerosolforschung immer noch nicht ausreichend geprüfte Masken auf dem Markt. Enorm wichtig ist auch die Anpassungsfähigkeit von FFP2-Masken an die Gesichtsform. Klappt nicht immer: In diesem Fall können laut einer Untersuchung bis zu 75 Prozent der Atemluft ungefiltert nach außen dringen. Und für Bartträger ist diese Variante übrigens annähernd untauglich.

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Schnelligkeit geht vor Gründlichkeit, das ist auch so ein Kennzeichen bayerischen Regierungshandelns. Schon bald nach Ankündigung der Verordnung am vergangenen Montag gab es einen Ansturm auf Drogerien und Apotheken. In Teilen Bayerns sind die Masken bereits Mangelware, etwa in München, Passau und dem Fichtelgebirge. Auch das Internet kann nicht weiterhelfen: Bei einer großen Drogeriekette heißt es für diverse FFP2-Waren: „momentan online nicht verfügbar“.

Bei Söders Tempo kam auch die soziale Dimension der neuen Maskenpflicht unter die Räder. Denn bei einem Stückpreis von zwei bis vier Euro – nachfragebedingt gegenwärtig stark steigend – und bei nur kurzer Nutzungsdauer ist der FFP2-Atemschutz relativ teuer. Erst nach Protesten der Sozialverbände besserte die Staatsregierung nach. Jetzt soll es kostenlose 2,5 Millionen Masken für Bedürftige geben. Die werden über die kommunale Verwaltung verteilt – das kann dauern. Wichtig und wegweisend ist diese staatliche Hilfe dennoch. Wer arm ist, sich aber mit einer FFP2-Maske sicherer fühlt, sollte sie auch kaufen können. Nicht nur in Bayern.

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