Großbritannien

First Girlfriend

Carrie Symonds, die Freundin des britischen Premiers Boris Johnson, engagiert sich als PR-Profi schon länger für die Tories.
17.12.2019, 19:45
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
First Girlfriend
Von Katrin Pribyl
First Girlfriend

Ankunft in der Downing Street nach der Parlamentswahl: Boris Johnson und seine Freundin Carrie Symonds winken der Presse zu. Anders als im Juli, als Johnson Theresa May als Regierungschef abgelöst hatte, zog Symonds diesmal ganz offiziell mit in die traditionsreiche Wohnung der britischen Regierungschefs ein.

Mok/dpa

London. Als Boris Johnson nach seinem Sieg am vergangenen Freitagmorgen in die Downing Street zurückkehrte und sich vor der berühmten Tür mit der Nummer Zehn noch einmal triumphierend den klickenden Kameras zuwandte, lächelte und winkte neben ihm auch Carrie Symonds. Der 55-jährige Premierminister nahm die 31-Jährige bei der Hand, legte den Arm um sie. Und bekräftigte mit dieser Botschaft ganz offiziell ihren Status als „First Lady“ – oder besser gesagt „First Girlfriend“ – des Vereinigten Königreichs.

Im Juli, nachdem er den Vorsitz der Konservativen gewonnen und damit Theresa May als Regierungschef abgelöst hatte, zog er noch alleine in die Downing Street ein. Lebensgefährtin Symonds schlüpfte später unbemerkt durch die Hintertür. Es ist das erste Mal, dass ein Premier unverheiratet mit Partnerin in dem Regierungssitz residiert. Dementsprechend wild laufen in der Boulevardpresse die Spekulationen um eine baldige Hochzeit. Vergessen ist offenbar der heftige nächtliche Streit vor einigen Monaten in Symonds Wohnung, der die Nachbarn dazu veranlasste, die Polizei zu rufen. Der Vorfall beherrschte tagelang die Titelseiten der Zeitungen. Will Johnson nun tatsächlich einen Antrag machen, wie er Medienberichten zufolge andeutete? Erst müsste die Scheidung von Johnsons zweiter Frau Marina Wheeler, mit der er 25 Jahren zusammen war, durchgehen. Vier Kinder stammen aus dieser Ehe, sie sind nur unwesentlich jünger als Symonds.

Vielleicht war es diesem Umstand geschuldet, dass die Erste Freundin im Land Johnson beim Wahlkampf der vergangenen Wochen kaum begleitete, stattdessen Kandidaten beim Häuserwahlkampf in besonders umkämpften Kreisen unterstützte. Stets dabei und meistens auf ihrem Arm war auch der Jack-Russell-Terrier Dilyn, den das Paar aus dem Tierheim geholt hat. Auf Twitter teilte Symonds dann auch etliche Fotos, auf denen sie strahlend mit Wählern und vorneweg dem „First Dog“ posierte.

Symonds, die sich auf Instagram wegen ihrer hohen Wangenknochen „Apples“ nennt, hat Erfahrung mit Kampagnen. Seit 2018 arbeitete sie als Kommunikationschefin der Tory-Partei, bis sie nach dem Bekanntwerden der Beziehung zu Johnson diesen Posten aufgeben musste. Die beiden kennen sich jedoch offenbar schon länger, denn der extrovertierte Politiker befand sich unter den Gästen der Feier zu ihrem 30. Geburtstag. Damals wunderte sich ein ehemaliger Mitarbeiter, was der Außenminister „auf einem Kindergeburtstag“ treibe. Ob Symonds und der fast 24 Jahre ältere Brite zu jener Zeit schon ein Paar waren, ist nicht bekannt. Doch dass Johnson seinen lebenslangen Traum verwirklichen und tatsächlich in die Downing Street ziehen konnte, schieben zahlreiche Beobachter auf Carrie Symonds. Sie ist Kommunikations-Profi, galt als „PR-Guru der Tories“. So sei es ihr Verdienst, dass der Konservative, der seine blonde Mähne zum Markenzeichen gemacht hat, seit geraumer Zeit gekämmter daherkommt, außerdem deutlich abgenommen hat. „Die stählerne Blondine, die Boris in Form gebracht hat“, befand ein Blatt. Noch auffallender ist, dass Johnson, berühmt für seine zahllosen Peinlichkeiten, Pannen und Provokationen, sich in den letzten Monaten deutlich weniger Ausfälle geleistet hat als in der Vergangenheit. Oder sie zumindest besser übersteht, wie etwa der kleine Skandal um die US-Geschäftsfrau Jennifer Arcuri zeigt, mit der Johnson in seiner Zeit als Bürgermeister nicht nur eine Affäre gehabt haben soll, er soll ihr auch Zehntausende Pfund an öffentlichen Fördergeldern beschafft haben, obwohl die Unternehmerin nicht die erforderlichen Bedingungen erfüllte.

Beim Wahlkampf 2019 unterstützte Symonds die Konservativen nicht zum ersten Mal. Bereits im Jahr 2012 war die Politikberaterin maßgeblich daran beteiligt, dass Johnson erneut zum Bürgermeister der Hauptstadt gewählt wurde. Das brachte ihr nicht nur Anerkennung ein. Ihr steiler Karriereaufstieg wurde insbesondere nach Bekanntwerden der Beziehung zum konservativen Schwergewicht wegen des Altersunterschieds mitunter gehässig kommentiert.

Dabei reden die meisten Bekannten vor allem mit großem Respekt von ihr. Als „gesellig, intelligent, ehrgeizig, willensstark und attraktiv“, beschrieben Kollegen sie einmal in der „Daily Mail“. Sie habe sich aufgrund von Talent und Fleiß in der Politszene „schnell einen eigenen Namen gemacht“. Die Feministin Symonds, die im vergangenen Jahr eine erfolgreiche Kampagne gegen die vorzeitige Haftentlassung des ehemaligen Taxifahrers und Serienvergewaltigers John Worboys anstieß, wurde 2007 selbst Opfer von Worboys, als der sie in seinem Taxi mit gepanschten Drinks zuerst ohnmächtig gemacht und dann missbraucht hatte.

Aufgewachsen im Südwesten Londons, besuchte die Tochter des Mitbegründers der Zeitung „The Independent“, Matthew Symonds, und einer Medienanwältin Privatschulen und studierte im Anschluss Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte an der renommierten Universität Warwick. Symonds arbeitete als Beraterin für die konservativen Parlamentarier Michael Gove und Sajid Javid, bevor sie zur Kommunikationschefin der Tories berufen wurde. Seit Herbst 2018 ist die überzeugte Umwelt- und Tierschützerin beim Medienunternehmen Bloomberg für die PR eines Ozean-Schutzprogramms verantwortlich. Ob sie künftig eine prominentere Rolle als First Lady einnehmen wird, ist noch unklar. Zunächst kehrt sie nach sechs Wochen Wahlkampf-Pause erst einmal in ihren Job zurück.

Info

Zur Sache

Schotten wollen neu abstimmen

Das Parlament in London ist erstmals nach dem Wahlsieg von Premierminister Boris Johnson wieder zusammengetreten. Johnsons Konservative haben nun einen Vorsprung von 80 Sitzen auf alle anderen Parteien. Am Dienstag stand zunächst die Wahl des Parlamentspräsidenten auf dem Programm. Der amtierende Speaker of the House of Commons, Lindsay Hoyle, wurde dabei einstimmig wiedergewählt. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat unterdessen ein neues Unabhängigkeitsreferendum für ihren Landesteil im kommenden Jahr gefordert. Sie werde noch in dieser Woche „den detaillierten, demokratischen Standpunkt“ für einen Transfer der Entscheidungsgewalt über ein Referendum von London nach Edinburgh vorbringen, sagte Sturgeon.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+