Paris will umstrittenen Hubschrauberträger vorerst nicht an Russland liefern Frankreichs Regierung weiter im Dilemma

Paris. Was passiert am 14. November in Saint-Nazaire? Der russische Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin scheint den Ablauf des Tages in der westfranzösischen Hafenstadt schon zu kennen.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von CHRISTINE LONGIN

Was passiert am 14. November in Saint-Nazaire? Der russische Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin scheint den Ablauf des Tages in der westfranzösischen Hafenstadt schon zu kennen. Er twitterte nämlich am Mittwoch die Einladung des staatlichen Schiffbauers DCNS zur Zeremonie, mit der der Hubschrauberträger „Wladiwostok“ vom Typ Mistral an Russland übergeben werden soll. Doch Rogosin handelte vorschnell, denn die französische Regierung hat nach eigenen Angaben noch gar nicht entschieden, ob sie das Kriegsschiff überhaupt ausliefert. „Heute sind die Bedingungen nicht gegeben“, sagte Finanzminister Michel Sapin.

Unter dem Eindruck des Kriegsgeschehens in der Ukraine hatte Präsident François Hollande im September das Waffengeschäft mit Russland erst einmal auf Eis gelegt. Zu groß waren die Einwände der NATO-Verbündeten. „Es kann nicht sein, dass wir Waffen einem Aggressor liefern“, hatte der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, einen Verzicht auf den Mistral-Deal gefordert. Doch Hollande setzte das Geschäft nur aus.

Das krisengeschüttelte Frankreich, in dem Waffengeschäfte nicht wie in Deutschland große Debatten hervorrufen, steckt in einem Dilemma. Denn Russland zahlt 1,2 Milliarden Euro für zwei Hubschrauberträger, die es vor drei Jahren noch unter Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy in Auftrag gab. Tausend Arbeitsplätze entstanden in Saint-Nazaire, um die Schiffe „Wladiwostok“ und „Sewastopol“ zu bauen. Seit Juni werden 400 russische Marinesoldaten auf der „Wladiwostok“ ausgebildet, die als erstes Saint-Nazaire verlassen soll, bevor 2016 die „Sewastopol“ folgt. Das knapp 22 000 Tonnen schwere Aushängeschild der französischen Marine kann bis zu 450 Soldaten, 16 Hubschrauber und 60 gepanzerte Fahrzeuge transportieren – mit Landungsbooten auch an die ukrainische Schwarzmeerküste.

Frankreich hofft, dass eine Deeskalation des Ukraine-Konflikts das Geschäft doch noch rettet, denn es geht nicht nur um den Kaufpreis, sondern auch um den Ruf des Landes als Waffenlieferant. Doch Hollande legte klare Kriterien für die Auslieferung fest: Der Friedensplan muss komplett umgesetzt und ein Waffenstillstand eingehalten werden. Davon ist die Ukraine aber noch weit entfernt. „Ziel ist es, die Entscheidung so spät wie möglich zu treffen“, zitiert die Zeitung „Le Figaro“ aus Kreisen des Verteidigungsministeriums.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+