Gastkommentar über die Gesundheitsämter

Pandemie braucht einen Plan

Die Gesundheitsämter müssen wirksamer als derzeit in der Lage sein, das Infektionsgeschehen zu erfassen und gegenzusteuern, kommentiert der ehemalige Staatsrat im Gesundheitsressort, Gastautor Arnold Knigge.
02.05.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Arnold Knigge

Noch ist die Corona-Pandemie nicht vorbei: Wir müssen weiterhin mit steigenden Infektionen umgehen und stark eingreifende Beschränkungen unseres täglichen Lebens hinnehmen. Trotzdem erscheint es dringend geboten, über notwendige Konsequenzen nachzudenken. Dies umso mehr, als ähnliche Pandemien auch in Zukunft drohen.

Eine wichtige Erfahrung ist, dass wir als Gesellschaft und Staat nicht ausreichend auf eine Katastrophe dieser Größenordnung vorbereitet waren und auch innerhalb der vergangenen Monate nicht die notwendigen Konsequenzen gezogen haben. Dabei ist weniger an die Maßnahmen der sogenannten Notbremse zu denken. Die bleiben notwendig, solange die Inzidenzwerte hoch sind. Nein, zu denken ist vielmehr an die erforderlichen strukturellen Vorkehrungen, um einer solchen Pandemie wirksam begegnen zu können.

Eine Grundvoraussetzung jeder wirksamen Pandemiebekämpfung ist ein abgestimmtes Verhalten aller staatlichen Ebenen. Dazu brauchen wir eine umfassende Pandemieplanung von Bund und Ländern. Das Bundesinfektionsschutzgesetz muss den Bund verpflichten, zusammen mit den Ländern einen einheitlichen Plan mit konkreten Maßnahmen zu entwickeln, der wissenschaftliche Forschungsergebnisse berücksichtigt und neue epidemiologische Forschungen ermöglicht. Dieser Plan muss auch das strategische Vorgehen in differenzierter und regional unterschiedlicher Form beinhalten.

Dieser Plan muss prioritär auf den wirksamen Schutz der Bevölkerung ausgerichtet werden. Mögliche Interessenskonflikte, etwa zum Datenschutz, müssen unmissverständlich geklärt werden. Es darf nicht wieder vorkommen, dass die notwendige Ursachenforschung für den Ausbruch von Infektionskrankheiten daran scheitert, dass elektronische Möglichkeiten der Kontaktverfolgung nur unzureichend genutzt werden können. Gleiches gilt für genaue Analysen der Infektionsanfälligkeit von Berufsgruppen, in Schulen und Kitas und bei privaten Treffen, die unterbleiben, weil Gesundheitsämter die entsprechenden Daten von Erkrankten nicht weitergeben dürfen.

Eine weitere Konsequenz muss sein, die Kompetenzen der Gesundheitsämter zu stärken. Sie müssen wirksamer als derzeit in der Lage sein, das Infektionsgeschehen zu erfassen und gegenzusteuern. Das setzt voraus, dass diese Ämter konsequent digitalisiert und mit den Gesundheitsbehörden des Bundes und der Länder über eine einheitliche Software vernetzt werden.

Info

Zur Person

Arnold Knigge ist Vorstandssprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege im Land Bremen. Von 1992 bis 2006 war er Staatsrat im Bremer Arbeitsressort, von 1999 auch im Sozial- und Gesundheitsressort.

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