AUTONOME Gegen das System

Nach Ansicht von Udo Baron und Christian Pfennig spielen die Themen Heimat und Identität in der linksextremen Szene vor allem in ihrer negativen Verkehrung eine Rolle.
08.08.2017, 20:13
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Gegen das System
Von Milan Jaeger

Die beiden beobachten die Autonomen für den niedersächsischen Verfassungsschutz. „Die Szene identifiziert sich über ihr Dagegensein“, sagt Baron. Die Ablehnung des Kapitalismus, des Faschismus sowie des Rassismus sei der theoretische Dreh- und Angelpunkt der Autonomen. Auch Nationalstaaten und damit die Begriffe Heimat und Identität würden als Ausdruck des Nationalismus abgelehnt. Konkrete Entwürfe für eine andere Gesellschaft seien dagegen unterentwickelt. Im Vordergrund stehe für Autonome der Kampf gegen das bestehende System.

Dabei sei wichtig, zu verstehen, dass Autonome davon ausgehen, dass der Faschismus dem kapitalistischen System inhärent sei, erklärt Baron. „Manche sagen sogar, dass sich der Kapitalismus des Faschismus bedient habe, um weiter expandieren zu können.“ Folglich werde auch der Kampf gegen Vertreter des kapitalistischen Systems als legitim angesehen. Man berufe sich dabei auf den Begriff der Gegengewalt, den Herbert Marcuse, einer der Vordenker der 68er-Bewegung, entwickelte. „Mitglieder der linken Szene argumentieren, dass der Kapitalismus physische und psychische Gewalt ausübe.“ Darauf müsse man ihrer Ansicht nach mit Gegengewalt reagieren.

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Ein Bruch sei aus der sogenannten Militanzdebatte Ende der 80er-Jahre entstanden. Dabei ging es um die Frage, ob nur Gewalt gegen Sachen oder auch gegen Personen legitim sei. Diese Frage spaltet nach Ansicht von Baron die autonome Szene noch heute. „Nicht alle Autonome üben Gewalt aus, sie sympathisieren aber mit ihr.“

Pfennig weist darauf hin, dass es in Bezug auf die autonome Szene so gut wie keine empirische Forschung gebe. „Es gibt keine Gelder und kein Interesse.“ Folglich sei der Verfassungsschutz auf seine eigenen Beobachtungen sowie die Arbeit von Journalisten angewiesen. Weil sich Szene-Aussteiger keiner Gefahr aussetzten – anders als im Rechtsextremismus und Salafismus – seien Aussteigerprojekte nicht nötig.

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