Die französische Philosophin Catherine Colliot-Thélène diskutiert in der Bremischen Bürgerschaft mögliche Antworten auf den politischen Populismus Gegen die Gefahr

Was, wenn 2017 so weitergeht wie 2016, wenn Brexit-Votum und US-Präsidentschaftswahl tatsächlich einen Trend vorgeben, der sich nun fortsetzt? Diese Angst schwingt in diesen Wochen immer wieder mit, wenn der Blick auf die anstehenden Wahlen gerichtet wird, in Deutschland wie in Frankreich. Im französischen Präsidentschaftswahlkampf verspricht Front-National-Chefin Marie Le Pen „Frankreich zuerst“, und wirbt mit einem Austritt aus der EU, einem Ende der „Masseneinwanderung“ und protektionistischen Maßnahmen für die französische Wirtschaft.
19.03.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Gegen die Gefahr
Von Nico Schnurr

Was, wenn 2017 so weitergeht wie 2016, wenn Brexit-Votum und US-Präsidentschaftswahl tatsächlich einen Trend vorgeben, der sich nun fortsetzt? Diese Angst schwingt in diesen Wochen immer wieder mit, wenn der Blick auf die anstehenden Wahlen gerichtet wird, in Deutschland wie in Frankreich. Im französischen Präsidentschaftswahlkampf verspricht Front-National-Chefin Marie Le Pen „Frankreich zuerst“, und wirbt mit einem Austritt aus der EU, einem Ende der „Masseneinwanderung“ und protektionistischen Maßnahmen für die französische Wirtschaft. Und auch im deutschen Bundestagswahlkampf will die AfD mit ähnlichen Positionen punkten.

„Was tun gegen politischen Populismus?“ Unter diesem Titel soll am kommenden Mittwoch um 18.30 Uhr in der Bremischen Bürgerschaft der Frage nachgegangen werden, wie die repräsentative Demokratie wieder attraktiver werden kann. Wie sie sich vor den Gefahren des Populismus schützen lässt. Und wie sich das Vertrauen der Bürger in die Staatsform zurückgewinnen lässt. Zur Diskussion geladen ist neben Martin Nonhoff, Professor für politische Theorie an der Universität Bremen, auch Catherine Colliot-Thélène, eine der renommiertesten Stimmen der europäischen Sozialphilosophie. Dabei lehnt die Französin den Begriff Populismus eigentlich ab.

Die Lage ist ernst, glaubt Colliot-Thélène, zu ernst, um unterschiedliche Phänome in unterschiedlichen Ländern in einem unscharfen, diffusen Begriff zu bündeln. Sie benennt die Probleme lieber konkret. „Der identitäre Nationalismus und das Missachten der Prinzipen des Rechtsstaats stellen für die Demokratie schwere Gefahren dar“, sagt Colliot-Thélène. „Selbst, wenn das Verfahren der demokratischen Wahl unangetastet bleibt.“

Seit einiger Zeit schon beschäftigt sich Colliot-Thélène mit diesen Gefahren, fragt, wo ihr Ursprung liegt, wie ihnen begegnet, ja, entgegen getreten werden kann. Die Professorin für Philosophie an der Universität Rennes scheut sich nicht vor den ganz großen Themen. In ihrem Werk „Demokratie ohne Volk“, das 2012 erschienen ist, geht sie der Frage nach, ob die Demokratie durch die Globalisierung in eine Sackgasse geraten ist. Einfache Antworten liefert sie dabei nicht.

„Die Erosion des Nationalstaats durch juristische und politische Globalisierung ist nicht mehr aufzuhalten“, schreibt Colliot-Thélène. Denn die Bürger gingen zwar zu nationalen Wahlen, die Regeln aber, die letztlich ihr Leben bestimmten, würden woanders gemacht, zum Beispiel in der Europäischen Kommission. Die demokratischen Bürgerrechte schienen zwar zu bröckeln, der Handlungsspielraum der nationalen Politik zu schrumpfen, das bedeute aber nicht das Ende der Demokratie, meint Colliot-Thélène.

Sie glaubt, dass die Art und Weise veraltet ist, in der heute über Demokratien nachgedacht wird. Sie will das Verständnis von Demokratie öffnen. Anstatt der Demokratien vergangener Tage nachzutrauern oder sich, wie es die Philosophin formuliert, „mit einem Demokratie-Torso in den Grenzen der eingeschränkten Macht des Nationalstaats zu begnügen“, möchte sie Demokratie globaler denken, sie so wieder attraktiver und weniger anfällig gegenüber den Gefahren des Populismus machen. Einfache Antworten auf große Fragen gibt es eben bei anderen, nicht bei Catherine Colliot-Thélène.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+