Kommentar über das Gute-Kita-Gesetz

Genügend Zeit für Kinder immer und überall

Das Gute-Kita-Gesetz geht hier einige Schritte in die richtige Richtung, bleibt jedoch auf halbem Wege stehen, meint unser Gastautor Vincent Richardt.
04.01.2019, 22:35
Lesedauer: 2 Min
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Von Vincent Richardt
Genügend Zeit für Kinder immer und überall

Die Betreuung ist in jeder Kita unterschiedlich. Vor allem die Zeit, die Betreuerinnen und Betreuer aufwenden können trägt entscheidend zur Entwicklung der Kinder bei.

Monika Skolimowska /dpa

Wenn man mit Kindern in ein anderes Bundesland oder auch nur in eine andere Stadt zieht, kann es passieren, dass in der neuen Kita plötzlich alles anders ist: Es finden viel weniger Ausflüge statt, bei denen die Kinder Bäckereien, die örtliche Feuerwehr oder die Tiere im Wildpark kennenlernen können. Oder es gibt nur ein eher überschaubares Angebot jenseits des üblichen Tagesablaufs. Bewegung und Turnen kommen dann ebenso zu kurz wie Musik und Basteln. Auch reicht die begrenzte Zeit der Fachkräfte kaum für eine individuelle Förderung, zum Beispiel von Sprache und Konzentrationsfähigkeit. Und in der Vorschule kann es sein, dass sich nur halb so viele Fachkräfte um doppelt so viele Kinder kümmern sollen.

Das alles hängt mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung in Ländern und Kommunen zusammen, ist aber umso überraschender, weiß man doch schon längst, dass es gerade die frühe Förderung von Kindern ist, die später gewissermaßen „den Wurm fängt“. Mit anderen Worten: Frühförderung kann soziale, kulturelle oder persönliche Benachteiligungen ausgleichen. So konnte in der pädagogischen Praxisforschung nachgewiesen werden, dass frühzeitige Kindertagesbetreuung zur Verbesserung von Mathematik- und Lesekompetenzen beiträgt. Nicht zuletzt deshalb sollten alle Kinder die gleichen Startbedingungen ins Leben haben, ganz egal, in welchem Teil des Landes sie wohnen und welchen sozialen Status ihre Eltern haben.

SOS-Kinderdorf ist es schon lange ein Anliegen, dass die Rahmenbedingungen im Sinne bestmöglicher Standards vereinheitlicht werden. Das nun verabschiedete Gute-Kita-Gesetz geht hier einige Schritte in die richtige Richtung, bleibt jedoch auf halbem Wege stehen. Zwar ist es gut für die Kitas, wenn die Länder spezifische Qualitätslücken schließen können. Aber es ist durchaus problematisch, wenn das einer Befristung von vier Jahren unterliegt. Zwar ist es gut für die Kitas, wenn manche Kinder nicht mehr wegen hoher Gebühren fernbleiben.

Aber es ist auch ein Problem, wenn weitreichende Gebührensenkungen realisiert werden, doch eine flächendeckende Anhebung der „Fachkraft-Kind-Relation“ auf ein einheitlich hohes Niveau unberücksichtigt bleibt. Letztendlich verbirgt sich dahinter das wichtigste Anliegen: immer und überall genügend Zeit für die Kinder zu haben, für Ausflüge, Turnen, Basteln und für die individuelle Förderung. So bleibt nur die Hoffnung auf entsprechende Nachbesserungen, um den Namen des Gesetzes wirklich zum Programm werden zu lassen.

Info

Zur Person

Unser Gastautor ist Leiter der Ressorts Pädagogik bei SOS-Kinderdorf. Dass er nicht den Bezug zum normalen pädagogischen Alltag verliert, verhindern mit vereinten Kräften seine drei Kinder.

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