Kommentar über Trumps Verständnis von Medien

George Orwell lässt grüßen

Ein vertrauliches Gespräch mit dem Verleger der "New York Times" nutzt US-Präsident Trump, um erneut gegen Medien zu wettern. Trumps Ausfälle nehmen Orwell'sche Züge an, urteilt Thomas Spang.
30.07.2018, 20:38
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George Orwell lässt grüßen
Von Thomas Spang
George Orwell lässt grüßen

US-Präsident Donald Trump bezeichnete, nach einem Treffen mit dem Verleger der „New York Times“, kritische Journalisten als „Volksfeinde“.

Evan Vucci/dpa

Was sich der Präsident von dem Treffen im Oval Office mit dem Verleger der „New York Times“, A.G. Sulzberger, versprochen hatte, bleibt sein Geheimnis. Wie er über Journalisten im Allgemeinen und das US-Leitblatt im Besonderen denkt, ließ er die Welt via Twitter wissen, indem er die selbst erbetene Vertraulichkeit der Begegnung brach. Die seien Produzenten und Publizisten von „Fake News“ und verdienten, als „Volksfeinde“ bezeichnet zu werden.

Der 37-jährige Verleger Sulzberger kuschte nicht vor dem mächtigsten Mann der Welt. Er warnte Donald Trump eindringlich davor, was passiere, wenn aus dessen aufrührerischen Worten gegen die Medien brutale Taten gegen Reporter würden.

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Ganz besonders reibt sich der Verleger an dem Wort „Volksfeind“, das erst die Jakobiner in der französischen Revolution gebrauchten und später Josef Stalin. Dass Trump damit nun regelmäßig gegen die Vertreter der freien Medien hetzt, ist, um es im Twitter-Duktus des Präsidenten zu sagen, traurig. Und es ist gefährlich, wie die Wächter von Reporter ohne Grenzen in ihrem jüngsten Jahresbericht warnen. Die USA fielen wegen der fortgesetzten Angriffe des Präsidenten auf dem Pressefreiheits-Index auf Platz 45 zurück.

Den Ton für Trumps Umgang mit Journalisten setzte der ehemalige Chefstratege des Präsidenten, Steve Bannon. Der schärfte ihm ein, dass die Medien die wahre Opposition seien. Vor allem diejenigen, die der Öffentlichkeit harte Fakten liefern. Denn nichts scheuen echte und Möchte-Gern-Diktatoren mehr als Transparenz.

Richtig verstandener Journalismus betreibt keine Hofberichterstattung, sondern informiert, ordnet ein und ­hinterfragt. Wie die Korrespondentin von CNN, die das Weiße Haus vergangene Woche von einem Termin ausschloss, weil sie „unpassende Fragen“ stellte.

Seinen Anhängern riet Trump kürzlich bei einer Kundgebung in Kansas, nicht zu glauben, was sie sehen oder lesen. Die Realität sei anders. George Orwell lässt grüßen.

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