Proteste Gespräch: "So etwas gab es in Ägypten noch nicht"

Paris/Berlin. Internetblockaden sind ein bekanntes Mittel autoritärer Staaten, um Menschen von Informationen abzuschneiden.
28.01.2011, 17:30
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Paris/Berlin. Internetblockaden sind ein bekanntes Mittel autoritärer Staaten, um Menschen von Informationen abzuschneiden.

Dass in Ägypten das Netz völlig lahmgelegt wurde, ist aber neu. Die Nahost- und Nordafrika-Expertin der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen, Soazig Dollet, sieht darin eine neue Stufe des Konflikts zwischen Regierung und Bürgern.

Frage: Ist so eine Blockade in Ägypten schon einmal vorgekommen?

Soazig Dollet: "Das ist etwas noch nie Dagewesenes. In Ägypten gab es schon vorher Zensur der Medien, aber sie war nicht so ausgeklügelt wie in anderen Staaten im Nahen Osten wie zum Beispiel in Syrien. Die Behörden haben das Internet kontrolliert, es wurden auch Blogger festgenommen, aber das ist jetzt ein weiterer Schritt. So etwas ist bisher noch nicht passiert."

Wie ist die Lage derzeit?

Dollet: "Es funktionieren weder das Internet, noch Kurznachrichten. Die Hauptkommunikation muss nun über das Telefon passieren, aber in vielen Gegenden ist der Empfang für Mobiltelefone schlecht. Auch die U-Bahn ist blockiert. Es gibt keine Kommunikation und keinen Transport. Die Behörden wollen, dass die Menschen nicht mehr zu Demonstrationen gehen."

Wer und was genau steckt hinter der Blockade?

Dollet: "Das ist noch unklar. Aber es könnte sein, dass die Regierung sich an Privatunternehmen wendet, die das Netz blockieren. Die Regierung will einerseits die Berichterstattung - auch für ausländische Medien - behindern, es ist schwer Bilder zu bekommen. Andererseits sollen die Menschen aber vor allem nicht zum Demonstrieren gehen."

Eskaliert die Lage in Ägypten jetzt weiter?

Dollet: "Die nächsten 24 Stunden sind entscheidend. Die Menschen sind sehr wütend, sie haben es satt. Viele denken, es hat in Tunesien funktioniert, warum nicht auch in Ägypten. Und warum nicht im Jemen. Auch dort muss man die Lage genau beobachten." (dpa)

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