Hunderttausende gedenken der Anschlagsopfer Gesuchte Islamistin wohl nicht mehr in Frankreich

Nach den islamistischen Anschlägen in Paris haben am Samstag hunderttausende Demonstranten in Frankreich an die insgesamt 17 Todesopfer erinnert. Unterdessen hält die Sorge vor neuen Attentaten an.
10.01.2015, 11:23
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste

Nach den islamistischen Anschlägen in Paris haben am Samstag hunderttausende Demonstranten in Frankreich an die insgesamt 17 Todesopfer erinnert. In zahlreichen Städten im ganzen Land gingen mehr als 300.000 Menschen auf die Straße. Unterdessen hält die Sorge vor neuen Attentaten an.

Die Regierung verschärfte die Sicherheitsmaßnahmen weiter und mobilisierte hunderte zusätzliche Soldaten. Für Sonntag ist in der Hauptstadt Paris ein zentraler Gedenkmarsch geplant. Allein in der 80.000-Einwohner-Stadt Pau im Südwesten Frankreichs beteiligten sich nach Polizeiangaben 40.000 Menschen an einer Kundgebung zu Ehren der Anschlagsopfer.

80.000 Teilnehmer kamen in Toulouse im Süden des Landes zusammen, 75.000 Teilnehmer wurden in der westfranzösischen Stadt Nantes gezählt. Auch in mehreren anderen Städten gab es Massenkundgebungen. Die Anschlagsserie hat das Land schwer erschüttert und tagelang in Atem gehalten. Die mutmaßlichen "Charlie Hebdo"-Attentäter, die Brüder Chérif und Said Kouachi, wurden am Freitagnachmittag von Polizisten erschossen. Sie hatten sich zuvor in einer Druckerei nordöstlich von Paris verschanzt.

Beinahe zeitgleich schlugen die Sicherheitskräfte in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris zu, wo der Islamist Amedy Coulibaly zahlreiche Geiseln genommen und offenbar vier von ihnen erschossen hatte. Der bei dem Polizeieinsatz getötete Coulibaly soll bereits am Donnerstag - einen Tag nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten - in Montrouge südlich von Paris eine Polizistin erschossen und einen Mann schwer verletzt haben.

Unter Hochdruck fahndete französische Polizei weiter nach Coulibalys Lebensgefährtin Hayat Boumeddiene. Die 26-Jährige ist inzwischen die meistgesuchte Frau Frankreichs. Sie soll soll sich allerdings nicht mehr im Land aufhalten, berichtete am Samstag der französische Sender RTL. Sie sei bereits am 2. Januar über Madrid nach Istanbul geflogen und am Donnerstag an der türkisch-syrischen Grenze gesehen worden.

Coulibaly und Chérif Kouachi kannten sich schon seit Jahren, offenbar stimmten sie ihre Taten ab. Chérif Kouachi erklärte vor seinem Tod, Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida im Jemen zu haben; Coulibaly bezeichnete sich als Mitglied der Dschihadisten-Gruppe Islamischer Staat (IS). Noch vom Supermarkt aus soll Coulibaly Bekannte telefonisch zu Angriffen auf weitere Ziele aufgefordert haben. Der Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) drohte nach Angaben von US-Experten mit neuen Attentaten. "Ihr werdet nicht mit Sicherheit gesegnet sein, so lange ihr Allah, seinen Verkünder und die Gläubigen bekämpft", sagte der Aqap-Vertreter Harith bin Ghazi al-Nadhari in einem Video.

Nach einem erneuten Krisentreffen im Elysée-Palast verkündete Innenminister Bernard Cazeneuve, die höchste Sicherheitsstufe des Anti-Terror-Plans Vigipirate werde im Großraum Paris beibehalten. Die Zahl der in der Hauptstadtregion eingesetzten Soldaten wird um 500 auf 1350 erhöht. Zum "Republikanischen Marsch" in der Pariser Innenstadt am Sonntag werden hunderttausende Menschen erwartet. Zahlreiche Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Vizekanzler Sigmar Gabriel (beide SPD) begleitet wird.

Hollande nimmt ebenfalls an dem Gedenkmarsch teil. Das Bahnunternehmen Thalys mit Sitz in Brüssel bot anlässlich der Kundgebung tausende deutlich verbilligte Zugtickts an. Für Fahrten ab Amsterdam, Brüssel und Köln in Richtung Paris mussten Kurzentschlossene nur die Hälfte oder ein Drittel des üblichen Preises zahlen. Die rechtsextreme Front National (FN), die zu dem Gedenkmarsch in Paris nicht eingeladen wurde, rief unterdessen zu separaten Kundgebungen am Sonntag auf. Parteichefin Marine Le Pen forderte ihre Anhänger auf, aus Protest gegen die etablierten Parteien nicht in Paris, sondern in der Provinz auf die Straße zu gehen.

Lesen Sie auch

Einen Kommentar von WESER-KURIER-Chefredakteur Peter Bauer lesen Sie hier.

(dpa)

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+