Kommentar über Boris Johnsons Führungsstil

Doppelmoral und Arroganz

Das Vertrauen ist verspielt, wenn für die Mächtigen in der Downing Street andere Regeln gelten als für das Volk. Dieser Skandal dürfte Boris Johnson noch lange verfolgen, schreibt Katrin Pribyl.
26.05.2020, 05:00
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Doppelmoral und Arroganz
Von Katrin Pribyl
Doppelmoral und Arroganz

Ein Demonstrant protestiert in London vor dem Haus von Regierungsberater Dominic Cumming. Warum stehst du über dem Recht, hat er auf sein Plakat geschrieben.

Victoria Jones

Boris Johnsons Auftritt war selbst für das an Krisen und Aufreger gewöhnte Königreich ein neuer Tiefpunkt. Auch wenn das arrogante und ignorante Verhalten vom wichtigsten Berater des Premiers, Dominic Cummings, jegliche Verantwortung vermissen lässt – der wahre Skandal ist seine Verachtung gegenüber der Bevölkerung. Mit der Unterstützung für seinen Chefstrategen konterkariert er ihre Bemühungen, sich seit Wochen an die strengen Ausgangsbeschränkungen zu halten.

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Diese Selbstgefälligkeit wurde nun genauso entlarvt wie die Doppelmoral, die Johnsons Führungsstil prägt. Die Öffentlichkeit kocht zu Recht vor Wut. Hier stellte der Premier nicht nur die berufliche Zukunft eines ungewählten Mannes über das Wohl der Nation. Er verhöhnte auch seine Landsleute, indem er sie ungeniert belog.

Warum sollte jetzt noch jemand auf die Vorgaben der Regierung hören? Das Vertrauen ist verspielt, wenn für die Mächtigen in der Downing Street andere Regeln gelten als für das Volk. Dieser Skandal dürfte Boris Johnson noch lange verfolgen. Der Mann, an dem sonst jegliche Kritik abzuprallen scheint, ist nun selbst für viele seiner Anhänger zu weit gegangen.

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